Akupunktur gegen Rauchen: Kann das funktionieren?

Akupunktur gegen Rauchen – das klingt für viele zunächst ungewöhnlich. Doch die Jahrtausende alte Heilmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird immer häufiger als unterstützende Maßnahme bei der Rauchentwöhnung eingesetzt. Besonders die Ohrakupunktur, auch Auriculotherapie genannt, hat sich in der Suchttherapie einen Namen gemacht. Aber hält die Methode, was sie verspricht? Wir beleuchten die Wirkungsweise, die Studienlage und geben Ihnen alle Informationen, die Sie für eine fundierte Entscheidung brauchen.

Grundlagen: Was ist Akupunktur?

Akupunktur ist ein Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin und wird seit über 2.000 Jahren praktiziert. Das Grundprinzip basiert auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie Qi durch den Körper fließt – auf sogenannten Meridianen, also Energieleitbahnen. Krankheiten und Sucht entstehen laut TCM durch Blockaden oder Ungleichgewichte in diesem Energiefluss. Durch das Setzen feiner Nadeln an bestimmten Punkten sollen diese Blockaden gelöst und das Gleichgewicht wiederhergestellt werden.

In der westlichen Medizin werden diese Effekte teilweise anders erklärt: Die Nadelreize stimulieren nachweislich die Ausschüttung von Endorphinen und anderen Neurotransmittern, aktivieren das parasympathische Nervensystem und können so Schmerzen lindern, Entspannung fördern und Entzugssymptome abschwächen.

Wie funktioniert Akupunktur bei der Rauchentwöhnung?

Bei der Akupunktur zur Rauchentwöhnung kommen verschiedene Techniken zum Einsatz, wobei die Ohrakupunktur die mit Abstand am häufigsten angewandte Form ist.

Die NADA-Ohrakupunktur

Das NADA-Protokoll (National Acupuncture Detoxification Association) wurde ursprünglich in den 1970er-Jahren am Lincoln Hospital in der Bronx, New York, für die Behandlung von Drogenabhängigen entwickelt. Heute ist es die standardisierte und am häufigsten eingesetzte Akupunkturmethode in der Suchttherapie – auch bei der Nikotinentwöhnung.

Beim NADA-Protokoll werden fünf feine Nadeln in jedes Ohr gesetzt, an Punkte mit den bezeichnenden Namen:

  • Shen Men (Tor des Geistes): Wirkt beruhigend und angstlösend
  • Vegetativum (Sympathikus): Reguliert das autonome Nervensystem
  • Niere: Stärkt die Willenskraft und reduziert Ängste
  • Leber: Unterstützt die Entgiftung und löst Aggressionen
  • Lunge: Steht in direktem Bezug zur Atemwegsproblematik des Rauchens

Die Nadeln verbleiben etwa 20 bis 40 Minuten im Ohr, während der Patient in einer ruhigen Umgebung entspannt.

Körperakupunktur

Ergänzend oder alternativ zur Ohrakupunktur setzen manche Therapeuten auch Nadeln an Körperpunkten, zum Beispiel am sogenannten „Suchtpunkt“ am Handgelenk oder an Punkten auf dem Lungenmeridian.

Dauernadeln und Ohrsamen

Eine Besonderheit der Ohrakupunktur sind sogenannte Dauernadeln oder Vaccaria-Samen (kleine Pflanzensamen), die mit einem Pflaster am Ohr befestigt werden. Diese bleiben mehrere Tage im Ohr und können bei aufkommendem Rauchverlangen durch leichten Druck stimuliert werden – eine Art „Notfallknopf“ für zwischendurch.

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Was sagt die Wissenschaft?

Die Studienlage zur Akupunktur bei der Rauchentwöhnung ist ein häufig diskutiertes Thema in der medizinischen Forschung:

Positive Hinweise: Mehrere kleinere Studien zeigen, dass Akupunktur das Rauchverlangen reduzieren und Entzugssymptome wie Reizbarkeit, Unruhe und Schlafprobleme lindern kann. Eine Studie der Universität Oslo fand heraus, dass Probanden nach der Akupunkturbehandlung deutlich weniger Verlangen nach Zigaretten verspürten und den Geschmack von Tabak als unangenehmer empfanden.

Kritische Bewertung: Die Cochrane Collaboration hat in ihrer systematischen Übersichtsarbeit keine eindeutigen Belege dafür gefunden, dass Akupunktur als alleinige Methode wirksamer ist als eine Scheinakupunktur (Placebo). Das bedeutet: Der nachgewiesene Effekt könnte zumindest teilweise auf den Placeboeffekt, die Erwartungshaltung und die therapeutische Beziehung zurückzuführen sein.

Wichtig zu beachten: Das Fehlen eindeutiger Beweise ist nicht gleichbedeutend mit Unwirksamkeit. Die Studienqualität variiert stark, und viele Untersuchungen haben zu wenige Teilnehmer, um statistisch belastbare Aussagen zu treffen. Zudem ist es in der Akupunkturforschung besonders schwierig, eine überzeugende Placebo-Kontrolle zu gestalten.

Ablauf einer typischen Behandlung

Eine Akupunkturbehandlung zur Rauchentwöhnung läuft in der Regel wie folgt ab:

Erstgespräch und Diagnose

Im ersten Termin führt der Therapeut eine ausführliche Anamnese durch. In der TCM-Tradition umfasst dies oft auch eine Puls- und Zungendiagnose, um den energetischen Zustand des Patienten zu beurteilen. Darauf aufbauend wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.

Die Behandlungsserie

Typischerweise umfasst eine Behandlung vier bis acht Sitzungen, anfangs zwei- bis dreimal pro Woche, später in größeren Abständen. Viele Therapeuten empfehlen, am Tag des Rauchstopps oder kurz davor mit der Behandlung zu beginnen.

Was spürt man während der Behandlung?

Die verwendeten Nadeln sind hauchdünn – deutlich dünner als Injektionsnadeln. Die meisten Patienten spüren beim Einstechen nur ein leichtes Pieksen oder ein dumpfes Druckgefühl. Während die Nadeln liegen, berichten viele von einem angenehmen Wärmegefühl und tiefer Entspannung. Manche Patienten schlafen sogar ein.

Kosten und Erstattung

  • Einzelsitzung: 40 bis 100 Euro, je nach Therapeut und Region
  • Komplette Behandlungsserie (6–8 Sitzungen): 250 bis 700 Euro
  • Krankenkasse: Akupunktur zur Rauchentwöhnung wird von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht erstattet. Einige Kassen beteiligen sich im Rahmen von Präventionsprogrammen. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten häufiger, eine vorherige Abklärung ist ratsam.

Akupunktur als Teil eines Gesamtkonzepts

Die meisten Experten sind sich einig: Akupunktur entfaltet ihr Potenzial am besten nicht als alleinige Methode, sondern als Teil eines umfassenden Entwöhnungskonzepts. Besonders vielversprechend sind Kombinationen mit:

  • Verhaltenstherapie: Akupunktur lindert die körperlichen Symptome, Verhaltenstherapie arbeitet an den psychischen Mustern.
  • Nikotinersatztherapie: In Kombination können beide Ansätze sich ergänzen.
  • Achtsamkeits- und Entspannungstechniken: Meditation und Atemübungen verstärken den entspannenden Effekt der Akupunktur.

Den richtigen Therapeuten finden

Die Qualifikation des Behandlers ist entscheidend für den Erfolg:

  • Wählen Sie einen Arzt mit Zusatzbezeichnung „Akupunktur“ oder einen Heilpraktiker mit fundierter Akupunkturausbildung (mindestens 200 Stunden).
  • Fragen Sie gezielt nach Erfahrung in der Suchtakupunktur und idealerweise nach einer NADA-Zertifizierung.
  • Achten Sie auf hygienische Standards: Es sollten ausschließlich sterile Einmalnadeln verwendet werden.
  • Ein guter Therapeut nimmt sich Zeit für ein Vorgespräch und macht keine unrealistischen Heilversprechen.

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Fazit: Eine sanfte Methode mit Potenzial

Akupunktur allein wird Sie wahrscheinlich nicht zum Nichtraucher machen – dafür ist die wissenschaftliche Evidenz zu unsicher. Als unterstützende Maßnahme in Kombination mit anderen Entwöhnungsmethoden kann sie jedoch einen wertvollen Beitrag leisten: Sie lindert Entzugssymptome, fördert die Entspannung und gibt Ihnen regelmäßige Termine, die Struktur und Motivation bieten. Wenn Sie offen für komplementärmedizinische Ansätze sind und eine sanfte Begleitung auf dem Weg zum Nichtraucher suchen, ist Akupunktur einen Versuch wert. Entscheidend bleibt Ihre eigene Entschlossenheit – die kann keine Nadel der Welt ersetzen.

Dr. Julia Berger
Über den Autor

Dr. Julia Berger

Dr. Julia Berger ist Gesundheitswissenschaftlerin und selbst seit 8 Jahren rauchfrei. Sie erklärt komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und zeigt, wie sich der Körper nach dem Rauchstopp regeneriert. Ihre Artikel sind fundiert, aber nie belehrend.