Als ich mir damals „Endlich Nichtraucher“ gekauft habe, war ich ehrlich gesagt skeptisch. Nach 30 Jahren Rauchen hatte ich schon so vieles probiert – und jetzt sollte ein Buch die Lösung sein? Meine Schwiegertochter hatte mir das Ding in die Hand gedrückt mit den Worten: „Karin, lies es einfach mal. Schlimmstenfalls hast du 15 Euro in den Wind geschossen.“
Heute, mehrere Jahre rauchfrei, schaue ich auf meine Erfahrungen mit der Allen Carr Methode zurück. Und ich kann dir sagen: Es ist komplizierter als „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“. Kommt nämlich drauf an, was für ein Rauchertyp du bist.
Was ist die Allen Carr Methode eigentlich?
Allen Carr war selbst starker Raucher – über 100 Zigaretten am Tag, stell dir das mal vor. Als er aufhörte, entwickelte er seine eigene Methode, die er später in „Endlich Nichtraucher“ niederschrieb. Das Buch wurde zum Weltbestseller, über 15 Millionen Mal verkauft.
Die Grundidee: Du musst nicht auf etwas verzichten, wenn du aufhörst zu rauchen. Stattdessen befreist du dich von etwas. Carr dreht die ganze Sichtweise um – statt Verzicht gibt’s Befreiung. Das klingt erst mal nach Wortklauberei, aber dahinter steckt mehr.
Die Methode verzichtet komplett auf Hilfsmittel. Keine Nikotinpflaster, keine Medikamente, keine Hypnose. Nur du und das Buch. Carr behauptet, dass die körperliche Nikotinsucht minimal ist und vor allem der Kopf das Problem darstellt.
Das Original-Buch zur Methode. Hat bei vielen funktioniert – vielleicht auch bei dir?
Wenn du zu viel nachdenkst: Die Methode für Kopfmenschen
Manche Raucher sind Bauchtypen – die zünden sich eine an, wenn sie gestresst sind, ohne groß nachzudenken. Andere sind Kopfmenschen, die ihre Zigarette regelrecht rationalisieren. Falls du zur zweiten Sorte gehörst, könnte Carrs Ansatz gut zu dir passen.
Die Methode arbeitet gezielt mit deinen Denkmustern. Carr zerlegt Satz für Satz die Argumente, die du dir selbst fürs Rauchen vorbringst. „Hilft mir beim Entspannen“, „Ohne kann ich mich nicht konzentrieren“, „Eine am Morgen gehört einfach dazu“. Er nimmt jedes dieser Muster auseinander.
Aus eigener Erfahrung: Das funktioniert tatsächlich. Ich hatte mir jahrelang eingeredet, dass die Zigarette nach dem Mittagessen mich wieder fit macht. Carr zeigt dir, dass genau das Gegenteil der Fall ist – die Zigarette macht müde, und nur die nächste Dosis Nikotin hebt das wieder auf. Ein Teufelskreis.
Hand aufs Herz: Wenn du jemand bist, der gerne über Dinge nachdenkt, der Argumenten folgen kann und der sich selbst hinterfragt – dann probier das Buch. Bei mir hat diese rationale Herangehensweise den Knoten gelöst.
Was bei Kopfmenschen besonders gut klappt
- Das schrittweise Aufräumen mit Raucher-Mythen
- Die logische Argumentation ohne moralische Vorwürfe
- Der Ansatz, dass du nichts „verlierst“ sondern gewinnst
- Die Entmystifizierung der vermeintlichen Entzugserscheinungen
Allerdings: Manche Leute finden Carrs Schreibstil repetitiv. Er wiederholt seine Kernbotschaften immer wieder. Das ist Absicht – Programmierung des Unterbewusstseins nennt er das. Nervt aber auch manchmal, gebe ich zu.
Wenn du schon oft gescheitert bist: Der Neustart-Ansatz
Hattest du schon mehrere Anläufe hinter dir? Bei mir waren es gefühlt ein Dutzend gescheiterte Versuche, bevor ich auf die Allen Carr Methode gestoßen bin. Und genau hier liegt eine Stärke des Ansatzes.
Carr sagt: Vergangene Fehlversuche zählen nicht. Die waren mit der falschen Einstellung. Du hast versucht, auf etwas zu verzichten – klar, dass das nicht geklappt hat. Niemand verzichtet gerne. Jetzt machst du’s anders.
Diese Perspektive hat mir enorm geholfen. Ich habe mich nach jedem gescheiterten Versuch wie eine Versagerin gefühlt (was für ein Wort, aber genau so war’s). Die Carr-Methode nimmt dir diese Last. Du fängst mit einem komplett neuen Mindset an.
Mein Tipp: Falls du schon Nikotinpflaster, Nikotinkaugummi oder andere Hilfsmittel probiert hast und es hat nicht funktioniert – die Allen Carr Methode ist was anderes. Komplett anderer Ansatz. Verdient eine Chance.
Warum frühere Fehlversuche sogar helfen können
Klingt paradox, aber: Wer schon oft gescheitert ist, weiß genau, was nicht funktioniert. Du kennst die Fallen. Du weißt, wann bei dir das Verlangen besonders stark wird. Diese Selbstkenntnis kannst du nutzen.
Carr erklärt, dass die meisten scheitern, weil sie mit Willenskraft arbeiten. Sich zusammenreißen. Durchhalten. Das funktioniert eine Weile, aber nicht dauerhaft. Seine Methode setzt nicht auf Willenskraft, sondern auf Umprogrammierung. Du sollst gar nicht das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen.
Bei mir war’s so: Nach dem Lesen hatte ich tatsächlich keinen Drang mehr zu rauchen. Nicht weil ich mich zusammengerissen habe, sondern weil mein Gehirn plötzlich anders tickte. Die Zigarette war kein Belohnungssystem mehr, sondern nur noch eine Quelle für Unruhe, die sie selbst schafft. Verrückt, aber wahr.
Wenn du körperlich stark abhängig bist: Die Grenzen der Methode
Jetzt kommt der Part, wo ich ehrlich sein muss: Die Allen Carr Methode ist nicht für jeden das Richtige. Besonders wenn du zu den Rauchern gehörst, bei denen die körperliche Abhängigkeit richtig heftig zuschlägt.
Carr behauptet, die körperliche Nikotinsucht sei minimal und nach drei Tagen vorbei. Das stimmt so pauschal einfach nicht. Jeder Körper reagiert anders. Ich kenne Leute, die nach drei Wochen noch mit Schweißausbrüchen und Zittern zu kämpfen hatten. Das ist real, nicht eingebildet.
Falls du schon beim Gedanken ans Aufhören Panik bekommst, weil du die körperlichen Symptome fürchtest – dann könnte eine Kombination sinnvoller sein. Die Allen Carr Methode für den mentalen Teil, plus eine Nikotinersatztherapie für die körperliche Seite.
Warnzeichen, dass du zusätzliche Hilfe brauchst
- Du wirst ohne Zigarette extrem gereizt oder sogar aggressiv
- Du hast heftige körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel
- Du rauchst mehr als zwei Schachteln täglich
- Du wachst nachts auf und brauchst eine Zigarette
- Du hast neben der Nikotinsucht weitere Abhängigkeiten
In diesen Fällen würde ich nicht allein auf ein Buch setzen. Sprich mit deinem Arzt. Vielleicht sind Medikamente wie Champix oder eine Verhaltenstherapie die bessere Wahl. Oder eben eine Kombination.
Carr selbst sagt übrigens, man soll während des Lesens weiterrauchen. Erst nach dem letzten Kapitel soll man aufhören. Das fand ich damals komisch, macht aber Sinn – du sollst nicht mit Willenskraft kämpfen, während du liest. Der Wunsch aufzuhören soll von selbst kommen.
Wenn dein Umfeld mitspielt: Soziale Faktoren nicht unterschätzen
Ein Punkt, den Carr in meinen Augen zu wenig beleuchtet: Dein soziales Umfeld. Der spielt aber eine riesige Rolle, ob die Methode bei dir funktioniert.
Ich hatte Glück. Mein Mann hat nie geraucht, meine Kinder haben mich unterstützt. Ich musste niemandem aus dem Weg gehen. Aber wenn dein Partner raucht? Wenn deine Kollegen in der Raucherpause quatschen und du plötzlich außen vor bist? Das macht’s schwer.
Die Allen Carr Methode sagt: Du vermisst nichts, also ist es egal, ob andere rauchen. Theoretisch schön, praktisch nicht immer so einfach. Gerade am Anfang ist es hilfreich, wenn du nicht ständig mit Zigaretten konfrontiert wirst.
Was hilft, wenn das Umfeld schwierig ist
Falls du in einem rauchenden Umfeld steckst: Kombiniere die Carr-Methode mit praktischen Strategien. Meide die ersten Wochen Situationen, in denen du normalerweise rauchst. Sag deinen Freunden klar, dass du aufgehört hast und dass du ihre Unterstützung brauchst.
Manche nutzen auch Nichtraucher-Apps parallel zum Buch. Die helfen dir, Erfolgserlebnisse zu tracken und bieten eine Community. Kann die mentale Arbeit der Carr-Methode gut ergänzen.
Was ich beobachtet habe: Leute, die nach der Carr-Methode aufgehört haben, werden oft zu den überzeugtesten Nichtrauchern. Weil sie nicht das Gefühl haben, auf was zu verzichten. Aber gerade deshalb können sie manchmal missionarisch wirken – pass auf, dass du nicht nervst mit deiner neuen Überzeugung. (Ich gebe zu, am Anfang war ich auch so.)
Wenn andere Methoden besser passen: Ehrliche Alternativen
So sehr ich meine Erfahrung mit der Allen Carr Methode schätze – sie ist kein Allheilmittel. Manche Menschen brauchen einfach was anderes. Und das ist völlig okay.
Die Schlusspunkt-Methode zum Beispiel setzt auf einen klaren Cut, ohne vorher ein ganzes Buch zu lesen. Du legst einen Tag fest und hörst auf. Punkt. Für manche ist diese Klarheit besser als Carrs mentale Vorbereitung.
Hypnose arbeitet auch mit dem Unterbewusstsein, aber auf andere Weise. Wenn du Schwierigkeiten hast, ein Buch konzentriert zu lesen (kommt öfter vor als man denkt), könnte Hypnose der direktere Weg sein.
Wann andere Methoden möglicherweise besser funktionieren
- Du bist eher ein Bauchmensch: Dann probier Akupunktur oder Hypnose statt eines rationalen Buchs
- Du brauchst körperliche Unterstützung: Nikotinspray oder Pflaster helfen bei starken körperlichen Symptomen
- Du hast psychische Belastungen: Eine professionelle Verhaltenstherapie geht tiefer als ein Selbsthilfebuch
- Du brauchst schnelle Action: Die Schlusspunkt-Methode ist direkter als Carrs Ansatz
Einen Überblick über verschiedene Methoden kann dir helfen, das Richtige für dich zu finden. Es gibt nicht die eine Lösung für alle – trotz Carrs gegenteiliger Behauptung im Buch.
Übrigens: Manche kombinieren mehrere Ansätze. Lesen das Carr-Buch für die mentale Vorbereitung, nutzen aber trotzdem Nikotinersatz für die erste Zeit. Das widerspricht zwar Carrs Philosophie, aber wenn’s funktioniert – warum nicht?
Meine persönliche Allen Carr Methode Erfahrung: Was wirklich zählt
Jetzt wird’s persönlich. Bei mir hat die Methode funktioniert, aber nicht so glatt wie im Buch beschrieben. Ich habe das Ding gelesen, die letzte Zigarette ausgedrückt und gedacht: „So, jetzt bin ich Nichtraucherin.“
Die ersten Tage waren tatsächlich leichter als gedacht. Carrs Umprogrammierung hatte gewirkt. Ich hatte nicht dieses Gefühl von Verzicht. Aber – und das verschweigt das Buch ein bisschen – die alten Automatismen waren trotzdem da. Nach dem Essen die Hand zur Tasche, morgens beim Kaffee das merkwürdige Gefühl, dass was fehlt.
Das war nicht körperlich. Das war Gewohnheit. Und die bricht man nicht durch ein Buch, sondern durch Zeit. Bei mir hat’s etwa zwei Monate gedauert, bis diese automatischen Bewegungen weg waren.
Was bei mir funktioniert hat
Die mentale Vorbereitung durch das Buch war Gold wert. Ich bin mit einer komplett anderen Einstellung rangegangen als bei meinen früheren Versuchen. Kein Verzicht, keine „Ich darf nicht“-Gedanken, sondern „Ich bin frei von dem Mist“.
Was mir zusätzlich geholfen hat: Ich habe das Geld, das ich nicht mehr für Zigaretten ausgegeben habe, in ein Sparglas gesteckt. Klingt banal, aber dieses wachsende Glas war jeden Tag ein sichtbarer Beweis. Nach drei Monaten waren da über 300 Euro drin. Damit bin ich mit meinen Enkeln in den Freizeitpark gefahren. Das hat Carr zwar nicht vorgeschlagen, aber der finanzielle Aspekt ist nicht zu unterschätzen.
Was schwieriger war als erwartet
Carr schreibt, nach drei Tagen ist das körperliche Verlangen weg. Bei mir stimmte das nicht ganz. Ich hatte noch wochenlang Momente, wo mein Körper sich merkwürdig anfühlte. Nicht schmerzhaft, aber… anders. Als ob er nicht wusste, was er mit sich anfangen soll.
Und die Gewichtszunahme. Da sagt Carr auch: Passiert nicht, wenn du’s richtig machst. Quatsch. Ich habe trotzdem fünf Kilo zugelegt in den ersten Monaten. Weil essen eben auch Gewohnheit ist, und wenn eine Gewohnheit wegfällt, kompensiert man. Das ist normal und okay – man kann die Kilos später wieder loswerden.
Eine Warnung noch: Etwa drei Monate nach dem Aufhören hatte ich einen Moment der Schwäche. War auf einem Geburtstag, alle rauchten, und ich dachte: „Eine kann ja nicht schaden.“ Hätte ich gemacht, wäre ich heute wahrscheinlich wieder Raucherin. Die kritische Phase ist länger als drei Tage. Bei den meisten sind die ersten drei Monate die gefährlichsten.
Die harten Fakten: Was die Studien zur Allen Carr Methode sagen
Jetzt mal abseits der persönlichen Geschichten: Was sagt die Wissenschaft? Ehrlich gesagt, nicht so viel wie man sich wünschen würde. Es gibt erstaunlich wenige wissenschaftliche Studien zur Carr-Methode.
Eine britische Studie von 2008 hat gezeigt, dass etwa 51% der Teilnehmer eines Carr-Seminars nach 13 Monaten noch rauchfrei waren. Das ist deutlich höher als bei den meisten anderen Methoden. Allerdings: Die Studie war relativ klein und nicht perfekt kontrolliert.
Was wir sicher wissen: Die mentale Einstellung spielt beim Rauchstopp eine riesige Rolle. Das zeigen dutzende Studien. Und genau da setzt Carr an. Insofern ist es plausibel, dass sein Ansatz funktioniert – auch wenn die harten wissenschaftlichen Beweise fehlen.
Zum Vergleich: Die Erfolgsquoten von Nikotinersatztherapie liegen bei etwa 20-30% nach einem Jahr. Bei reiner Willenskraft sind es unter 10%. Die Carr-Methode scheint also durchaus konkurrenzfähig zu sein.
Was mir aber auffällt: Viele wissenschaftliche Rauchstopp-Programme ignorieren den mentalen Aspekt fast komplett. Sie fokussieren sich auf Nikotinersatz und Medikamente. Dabei zeigt die Praxis doch, dass der Kopf mindestens genauso wichtig ist wie der Körper.
Falls du lieber hörst als liest – die Hörbuch-Version der Carr-Methode funktioniert auch.
Praktische Tipps: So holst du das Maximum aus der Methode raus
Falls du dich entscheidest, die Allen Carr Methode zu probieren – hier ein paar Tipps aus meiner Erfahrung, wie du es am besten angehst:
Vor dem Lesen
Such dir einen ruhigen Zeitraum aus. Nicht unbedingt in der stressigsten Arbeitsphase starten. Ich habe im Urlaub gelesen – hatte Zeit, mich drauf einzulassen. Das Buch hat etwa 230 Seiten, du brauchst schon ein paar Stunden konzentrierte Lesezeit.
Sag noch niemandem, dass du aufhören willst. Carr empfiehlt das auch. Der Druck von außen hilft nicht, er macht’s eher schwieriger. Erst wenn du durch bist mit dem Buch und aufgehört hast, kannst du’s erzählen.
Während des Lesens
Rauch weiter, wie Carr es vorschlägt. Klingt kontraproduktiv, macht aber Sinn. Du sollst nicht schon beim Lesen kämpfen. Allerdings: Viele merken, dass ihnen die Zigaretten beim Lesen schon nicht mehr schmecken. Das ist ein gutes Zeichen.
Lies am Stück, wenn möglich. Nicht über Wochen verteilt. Die Methode funktioniert durch Wiederholung und Aufbau – wenn du zu lange Pausen machst, verpufft der Effekt.
Nach dem Buch
Die erste Zeit: Hab Alternativen parat für die Situationen, in denen du normalerweise geraucht hast. Ich bin nach dem Essen spazieren gegangen statt zu rauchen. Morgens beim Kaffee habe ich ein Kreuzworträtsel gemacht. Neue Routinen statt alte Routinen.
Rechne mit der körperlichen Veränderung. Die ersten Wochen kann dein Körper spinnen. Mehr Husten (das ist gut, die Lunge reinigt sich), komische Stimmungen, Schlafprobleme. Das geht vorbei.
Und ganz wichtig: Lass dich von einem Ausrutscher nicht entmutigen. Falls du doch mal eine rauchst, bist du nicht gescheitert. Die meisten erfolgreichen Ex-Raucher hatten mehrere Anläufe. Ein Rückfall ist kein Grund aufzugeben.
Für spezielle Situationen: Wenn normale Tipps nicht reichen
Manche Lebenssituationen machen den Rauchstopp besonders schwierig. Dann kann selbst die beste Methode an Grenzen stoßen.
Rauchen in der Schwangerschaft: Falls du schwanger bist, solltest du nicht nur auf ein Buch setzen. Hol dir professionelle Hilfe. Die Allen Carr Methode kann ein Baustein sein, aber bitte mit ärztlicher Begleitung.
Nach vielen Raucherjahren: Wenn du wie ich 30 Jahre oder länger geraucht hast, unterschätze die Macht der Gewohnheit nicht. Carrs mentaler Ansatz ist gut, aber du musst zusätzlich konkrete neue Routinen aufbauen. Die alten Automatismen sind tief eingegraben.
Mit 60 oder älter: Die gute Nachricht: Es ist nie zu spät aufzuhören. Carr sagt das auch. Aber: Im Alter können die körperlichen Entzugssymptome stärker sein. Sprich mit deinem Arzt, ob zusätzliche Unterstützung sinnvoll ist.
Als Gelegenheitsraucher: Carr richtet sich hauptsächlich an starke Raucher. Als Gelegenheitsraucher brauchst du vielleicht gar nicht das ganze Programm. Manchmal reicht schon die Erkenntnis, dass auch wenige Zigaretten schädlich sind.
Die Kosten-Nutzen-Rechnung: Lohnt sich das Buch?
Das Buch kostet etwa 15 Euro. Das Hörbuch ein bisschen mehr. Die Seminare, die es auch gibt, kosten mehrere hundert Euro. Ist das sein Geld wert?
Mal so gerechnet: Eine Schachtel Zigaretten kostet derzeit um die 7-8 Euro. Wenn du eine Schachtel am Tag rauchst, sind das über 200 Euro im Monat. Das Buch hat sich nach nicht mal drei Tagen amortisiert, wenn es funktioniert.
Selbst wenn die Methode bei dir nur teilweise wirkt – wenn du durch das Buch auch nur die mentale Einstellung änderst und dann mit einer anderen Methode erfolgreich aufhörst, hat es sich gelohnt.
Die Seminare sind eine andere Hausnummer. 400-600 Euro kosten die. Lohnt sich das? Kommt drauf an. Wenn du jemand bist, der in Gruppen besser lernt, der direkt Fragen stellen will, der die persönliche Ansprache braucht – dann vielleicht. Für die meisten reicht aber das Buch.
Mein Tipp: Fang mit dem Buch an. Wenn das nicht klappt, kannst du immer noch ein Seminar besuchen. Oder du probierst es mit einem umfassenden Programm, das verschiedene Ansätze kombiniert.
Häufig gestellte Fragen zur Allen Carr Methode
Kann ich während des Lesens weiterrauchen?
Ja, und Carr empfiehlt das sogar ausdrücklich. Du sollst erst nach dem letzten Kapitel aufhören. Die Methode funktioniert nicht über Willenskraft während des Lesens, sondern über mentale Umprogrammierung. Viele merken aber, dass ihnen die Zigaretten schon beim Lesen nicht mehr schmecken – das ist ein gutes Zeichen.
Wie lange dauert es, bis die Methode wirkt?
Das Lesen dauert je nach Lesetempo 5-8 Stunden. Danach sollst du sofort aufhören. Die mentale Umstellung passiert für die meisten während des Lesens. Die körperliche Entwöhnung dauert laut Carr drei Tage, in der Praxis oft länger – bei mir waren es etwa zwei Wochen, bis sich mein Körper normal anfühlte. Die Gewohnheitsumstellung braucht etwa zwei bis drei Monate.
Funktioniert die Methode bei starken Rauchern?
Das kommt drauf an, was du unter „stark“ verstehst. Bei der mentalen Abhängigkeit – also den Gedankenmustern und Rechtfertigungen – funktioniert die Methode oft besonders gut bei starken Rauchern. Bei sehr starker körperlicher Abhängigkeit (mehr als zwei Schachteln täglich, Rauchen nachts) kann zusätzliche medizinische Unterstützung sinnvoll sein. Das Buch allein reicht dann möglicherweise nicht.
Was mache ich, wenn ich einen Rückfall habe?
Erstens: Nicht verzweifeln. Die meisten Ex-Raucher hatten mehrere Anläufe. Carr würde sagen: Du warst noch nicht wirklich überzeugt. Lies das Buch nochmal, diesmal aufmerksamer. Aber auch andere Strategien nach einem Rückfall können helfen. Wichtig ist, dass du nicht gleich wieder dauerhaft anfängst. Eine Zigarette muss nicht das Ende bedeuten.
Kann ich die Methode mit anderen Hilfsmitteln kombinieren?
Carr sagt klar: Nein. Seine Methode basiert darauf, dass du erkennst, dass du nichts brauchst – auch keine Ersatzmittel. In der Praxis kombinieren aber viele trotzdem. Zum Beispiel die mentale Vorbereitung durch das Buch mit Nikotinersatz für die körperlichen Symptome. Das widerspricht zwar der Philosophie, aber wenn es funktioniert – warum nicht? Jeder muss seinen eigenen Weg finden.
Mein Fazit: Eine Chance wert, aber kein Wundermittel
Nach allem, was ich erlebt und beobachtet habe: Die Allen Carr Methode ist einen Versuch wert. Für 15 Euro bekommst du einen komplett anderen Blick aufs Rauchen. Und wenn du ein Kopfmensch bist, der gerne über Dinge nachdenkt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es bei dir funktioniert.
Aber – und das ist wichtig – es ist kein Wundermittel. Nicht jeder wird nach dem Lesen mühelos zum Nichtraucher. Manche brauchen zusätzliche Unterstützung. Manche brauchen eine komplett andere Methode. Und das ist okay.
Was die Methode auf jeden Fall bringt: Eine neue Perspektive. Selbst wenn du letztendlich mit einer anderen Methode aufhörst, kann dir Carrs Denkansatz dabei helfen, die richtige mentale Einstellung zu finden. Und die ist beim Rauchstopp mindestens so wichtig wie alle Hilfsmittel zusammen.
Hand aufs Herz: Wenn ich heute nochmal anfangen müsste, würde ich wieder mit dem Buch starten. Es hat mir die Grundlage gegeben. Aber ich würde nicht mehr so dogmatisch sein und bei Bedarf auch andere Hilfen nutzen. Jeder Weg zum Nichtraucher ist individuell – und jeder erfolgreiche Weg ist ein guter Weg.
Falls du noch unsicher bist, welche Methode für dich passt: Schau dir verschiedene Erfolgsgeschichten an. Manchmal hilft es zu sehen, wie unterschiedlich Menschen ihren Weg gefunden haben. Und dann trau dich. Mit der Allen Carr Methode oder mit was anderem – Hauptsache, du fängst an.
