Champix und Zyban: Medikamente zur Rauchentwöhnung

Neben der Nikotinersatztherapie gibt es in Deutschland zwei verschreibungspflichtige Medikamente, die gezielt bei der Raucherentwoehnung eingesetzt werden: Champix (Wirkstoff Vareniclin) und Zyban (Wirkstoff Bupropion). Beide Praeparate wirken ueber das zentrale Nervensystem und koennen die Erfolgsquote beim Rauchstopp erheblich steigern. Doch wie wirken sie genau, fuer wen sind sie geeignet und welche Risiken gibt es? Als Aerztin erklaere ich Ihnen die wichtigsten Fakten.

Champix (Vareniclin): Der gezielte Nikotinblocker

Wirkungsweise

Champix enthaelt den Wirkstoff Vareniclin, der an den gleichen Rezeptoren im Gehirn ansetzt wie Nikotin – den sogenannten nikotinergen Acetylcholinrezeptoren (Alpha-4-Beta-2-Subtyp). Vareniclin wirkt dabei auf zwei Arten:

  • Partieller Agonist: Es stimuliert die Nikotinrezeptoren teilweise und setzt dabei eine geringe Menge Dopamin frei. Das lindert Entzugserscheinungen und Rauchverlangen.
  • Antagonist: Gleichzeitig blockiert es die Rezeptoren, sodass Nikotin aus einer eventuell gerauchten Zigarette keine volle Wirkung mehr entfalten kann. Der „Belohnungseffekt“ des Rauchens wird dadurch deutlich abgeschwaecht.

Anwendung und Dosierung

Die Behandlung mit Champix beginnt in der Regel ein bis zwei Wochen vor dem geplanten Rauchstopp-Datum. Die Dosierung wird schrittweise gesteigert:

  • Tag 1-3: 0,5 mg einmal taeglich
  • Tag 4-7: 0,5 mg zweimal taeglich
  • Ab Tag 8: 1 mg zweimal taeglich (Standarddosis)

Die Gesamtbehandlungsdauer betraegt in der Regel 12 Wochen. Bei erfolgreichem Rauchstopp kann die Behandlung um weitere 12 Wochen verlaengert werden, um das Rueckfallrisiko zu senken.

Wirksamkeit

Champix gilt als das wirksamste Einzelmedikament zur Raucherentwoehnung. Klinische Studien zeigen:

  • Die Erfolgsquote nach 12 Wochen liegt bei etwa 44 Prozent (gegenueber 18 Prozent mit Placebo).
  • Nach einem Jahr sind noch etwa 22 Prozent der Champix-Anwender rauchfrei – fast dreimal so viele wie ohne Medikament.
  • In direkten Vergleichsstudien war Champix sowohl Zyban als auch Nikotinpflastern ueberlegen.
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Nebenwirkungen von Champix

  • Uebelkeit: Die haeufigste Nebenwirkung, betrifft etwa 30 Prozent der Anwender. Laesst sich durch Einnahme mit einer Mahlzeit und einem grossen Glas Wasser reduzieren.
  • Schlaflosigkeit und ungewoehnliche Traeume: Relativ haeufig, meist gut tolerierbar.
  • Kopfschmerzen: Gelegentlich, meist mild.
  • Psychiatrische Nebenwirkungen: In seltenen Faellen wurden Stimmungsveraenderungen, depressive Verstimmungen und Suizidgedanken berichtet. Neuere grosse Studien (EAGLES-Studie) konnten jedoch kein signifikant erhoehtes Risiko gegenueber Nikotinpflaster oder Placebo nachweisen.

Hinweis: Champix war von 2026 bis 2026 aufgrund einer Verunreinigung (N-Nitroso-Vareniclin) voruebergehend vom Markt genommen. Seit Ende 2026 ist es in Deutschland wieder verfuegbar. Die Verunreinigungsprobleme wurden vom Hersteller Pfizer behoben.

Zyban (Bupropion): Das Antidepressivum gegen Rauchverlangen

Wirkungsweise

Zyban enthaelt den Wirkstoff Bupropion, der urspruenglich als Antidepressivum entwickelt wurde. Es hemmt die Wiederaufnahme der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn. Dadurch werden Entzugserscheinungen gelindert und das Rauchverlangen reduziert – ohne dass dem Koerper Nikotin zugefuehrt wird.

Anwendung und Dosierung

Auch Zyban wird vor dem geplanten Rauchstopp begonnen:

  • Tag 1-6: 150 mg einmal taeglich (morgens)
  • Ab Tag 7: 150 mg zweimal taeglich (morgens und nachmittags, mindestens 8 Stunden Abstand)
  • Rauchstopp: Wird fuer die zweite Behandlungswoche geplant

Die Behandlungsdauer betraegt 7 bis 9 Wochen. Die letzte Dosis sollte nicht nach 16 Uhr eingenommen werden, um Schlafprobleme zu vermeiden.

Wirksamkeit

Zyban ist wirksamer als Placebo und vergleichbar mit Nikotinersatztherapie:

  • Die Erfolgsquote nach 12 Wochen liegt bei etwa 30 Prozent.
  • Nach einem Jahr sind noch etwa 16 bis 19 Prozent der Anwender rauchfrei.
  • Ein zusaetzlicher Vorteil: Zyban kann der haeufig befuerchteten Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp entgegenwirken.

Nebenwirkungen von Zyban

  • Schlaflosigkeit: Die haeufigste Nebenwirkung, betrifft bis zu 40 Prozent der Anwender.
  • Mundtrockenheit: Relativ haeufig.
  • Kopfschmerzen: Gelegentlich.
  • Krampfanfaelle: Selten, aber die schwerwiegendste Nebenwirkung. Das Risiko liegt bei etwa 1:1000. Kontraindiziert bei Epilepsie, Essstoerungen und gleichzeitiger Einnahme bestimmter Medikamente.
  • Allergische Reaktionen: In seltenen Faellen Hautausschlag, der zum Absetzen zwingt.

Champix vs. Zyban: Der direkte Vergleich

Beide Medikamente haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich aber in wichtigen Punkten:

  • Wirksamkeit: Champix ist in Studien durchgehend wirksamer als Zyban.
  • Gewichtskontrolle: Zyban hat leichte Vorteile bei der Vermeidung von Gewichtszunahme.
  • Depressive Vorerkrankungen: Zyban kann bei Patienten mit gleichzeitiger Depression von Vorteil sein, da es auch antidepressiv wirkt.
  • Vertraeglichkeit: Beide haben relevante Nebenwirkungen. Champix verursacht haeufiger Uebelkeit, Zyban haeufiger Schlaflosigkeit.
  • Kosten: Beide Medikamente kosten fuer eine Standardbehandlung etwa 150-200 Euro. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht uebernommen.

Fuer wen sind die Medikamente geeignet?

Verschreibungspflichtige Raucherentwoehungsmedikamente kommen vor allem in Betracht, wenn:

  • Vorherige Rauchstoppversuche mit Nikotinersatzprodukten gescheitert sind
  • Eine starke koerperliche Nikotinabhaengigkeit vorliegt (Fagerstroem-Score 6 oder hoeher)
  • Der Raucher mehr als 20 Zigaretten taeglich konsumiert
  • Die Motivation fuer einen ernsthaften Rauchstoppversuch vorhanden ist

Nicht geeignet sind beide Medikamente fuer Schwangere, Stillende, Jugendliche unter 18 Jahren sowie fuer Personen mit bestimmten Vorerkrankungen. Zyban ist zusaetzlich kontraindiziert bei Epilepsie, Essstoerungen und gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern.

Der Weg zum Rezept

Beide Medikamente sind verschreibungspflichtig. Sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Ihre Hausaerztin auf Ihren Wunsch zur Raucherentwoehnung an. Ein guter Arzt wird gemeinsam mit Ihnen die beste Strategie erarbeiten und abwaegen, ob ein Medikament fuer Sie infrage kommt. Beachten Sie, dass die Kosten in der Regel selbst getragen werden muessen – einige Krankenkassen bieten jedoch Zuschuesse im Rahmen von Praeventionstprogrammen an.

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Unser Fazit

Sowohl Champix als auch Zyban sind wirksame und wissenschaftlich gut untersuchte Medikamente zur Raucherentwoehnung. Champix ist aufgrund der hoeheren Wirksamkeit in der Regel die erste Wahl. Zyban kann eine gute Alternative sein, insbesondere wenn Champix nicht vertragen wird oder zusaetzlich eine antidepressive Wirkung gewuenscht ist. Wichtig ist: Medikamente allein machen noch keinen Nichtraucher. Die besten Ergebnisse erzielen Sie in Kombination mit einer Verhaltenstherapie oder einem strukturierten Raucherentwoehungsprogramm.

Dr. Julia Berger
Über den Autor

Dr. Julia Berger

Dr. Julia Berger ist Gesundheitswissenschaftlerin und selbst seit 8 Jahren rauchfrei. Sie erklärt komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und zeigt, wie sich der Körper nach dem Rauchstopp regeneriert. Ihre Artikel sind fundiert, aber nie belehrend.