Als ich vor Jahren in meiner Praxis das erste Mal mit Patienten über verschreibungspflichtige Rauchentwöhnungsmedikamente sprach, waren viele überrascht. „Es gibt Tabletten, die die Sucht im Gehirn beeinflussen?“ Ja, die gibt es. Champix mit dem Wirkstoff Vareniclin ist so ein Medikament – und es funktioniert anders als alles, was du vielleicht schon probiert hast.
Während Nikotinersatztherapie dir weiterhin Nikotin zuführt, greift Vareniclin direkt in die Mechanismen deiner Sucht ein. Das klingt erst mal gut. Aber ist es das auch?
In diesem Artikel erkläre ich dir als Gesundheitswissenschaftlerin genau, was mit Champix Erfahrungen und dem Wirkstoff Vareniclin auf dich zukommt – medizinisch fundiert, aber so, dass du es auch wirklich verstehst. Ohne Fachjargon-Wirrwarr.
Was ist Champix und wie unterscheidet es sich von Nikotinersatz?
Champix ist der Markenname für den Wirkstoff Vareniclin. In Deutschland war das Medikament jahrelang Standard, wurde 2026 wegen Verunreinigungen vom Markt genommen und ist seit 2026 wieder verfügbar. Es gehört zur Gruppe der partiellen Nikotinrezeptor-Agonisten – ein Zungenbrecher, ich weiß.
Was bedeutet das konkret für dich? Vareniclin dockt an genau die Rezeptoren in deinem Gehirn an, an denen normalerweise das Nikotin wirkt. Allerdings macht es zwei clevere Dinge gleichzeitig:
- Es aktiviert diese Rezeptoren teilweise – deshalb verspürst du weniger Entzugssymptome
- Es blockiert sie für echtes Nikotin – wenn du doch rauchst, spürst du kaum noch die „Belohnung“
- Die Rezeptoren werden nicht mehr so stark stimuliert wie durch Nikotin selbst
Der Unterschied zu Nikotinpflastern oder Nikotinkaugummis ist fundamental: Bei Nikotinersatz führst du deinem Körper weiterhin Nikotin zu – nur eben kontrolliert und ohne die Schadstoffe aus dem Rauch. Bei Vareniclin bekommst du kein Nikotin mehr. Das Medikament „täuscht“ dein Gehirn sozusagen.
Medizinisch gesehen: Du durchbrichst damit die körperliche Abhängigkeit komplett. Bei Nikotinersatz tauschst du nur die Darreichungsform.
Wie wirkt Vareniclin im Gehirn? Die Wissenschaft dahinter
Lass mich das mal ohne Fachchinesisch erklären. Wenn du rauchst, flutet Nikotin binnen Sekunden dein Gehirn. Es dockt dort an sogenannte nikotinerge Acetylcholin-Rezeptoren an – hauptsächlich an die α4β2-Untereinheit. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich simpel.
Diese Rezeptoren sind wie Schlösser. Nikotin ist der Schlüssel. Wenn der Schlüssel ins Schloss passt, wird Dopamin ausgeschüttet – dein Belohnungshormon. Deshalb fühlt sich Rauchen gut an. Dein Gehirn lernt: Zigarette = Belohnung. Das ist der Kern der Sucht.
Vareniclin ist wie ein Schlüssel, der halb passt. Er steckt im Schloss, dreht sich aber nur teilweise um. Das Ergebnis:
- Etwas Dopamin wird freigesetzt (etwa 40-60% im Vergleich zu Nikotin) – deshalb bleiben heftige Entzugssymptome aus
- Echter Nikotin-Schlüssel passt nicht mehr rein – selbst wenn du rauchst, kommt die volle Wirkung nicht mehr an
- Dein Gehirn verlernt langsam die Verbindung: Zigarette = Belohnung
Die gute Nachricht: Studien zeigen, dass Vareniclin die Erfolgsquote beim Rauchstopp etwa verdoppelt bis verdreifacht im Vergleich zu Placebo. Das sind ordentliche Zahlen.
Was mir wichtig ist zu betonen: Das Medikament nimmt dir nicht den mentalen Teil der Sucht ab. Die Gewohnheiten – Zigarette zum Kaffee, bei Stress, nach dem Essen – die musst du trotzdem durchbrechen. Vareniclin macht „nur“ den körperlichen Entzug erträglicher.
Wie schnell wirkt Vareniclin?
Anders als bei Nikotinspray, das sofort wirkt, braucht Vareniclin Zeit. Du nimmst es etwa eine Woche vor deinem geplanten Rauchstopp-Datum ein. In dieser Zeit baut sich der Wirkstoff im Körper auf und besetzt nach und nach die Nikotinrezeptoren.
Viele berichten, dass sie schon in dieser ersten Woche merken: Zigaretten schmecken komisch. Manche rauchen automatisch weniger. Das ist ein gutes Zeichen – das Medikament fängt an zu wirken.
Champix Erfahrungen: Was berichten Anwender wirklich?
Ich habe in den letzten Jahren mit dutzenden Menschen gesprochen, die Erfahrungen mit Champix und Vareniclin gemacht haben. Die Berichte sind – wie bei fast allem in der Rauchentwöhnung – ziemlich unterschiedlich.
Ein Bekannter von mir, nennen wir ihn Thomas, hat nach 25 Jahren Rauchen mit Champix aufgehört. Seine Worte: „Die ersten drei Tage ohne Zigarette waren überraschend easy. Ich hatte gedacht, ich drehe durch – aber die ganz heftigen Entzugssymptome blieben aus. Nach zwei Wochen hab ich tatsächlich mal versucht zu rauchen. Und weißt du was? Es hat nichts gemacht. War fast enttäuschend langweilig.“
Das ist eine positive Champix Erfahrung. Aber ich muss ehrlich sein: Es gibt auch andere.
Positive Erfahrungen mit Vareniclin
- Deutlich weniger Entzugssymptome: Die meisten berichten, dass Nervosität, Reizbarkeit und Konzentrationsprobleme erträglicher sind als bei früheren Versuchen
- Zigaretten verlieren ihren Reiz: Viele beschreiben, dass Rauchen während der Einnahme einfach keinen Spaß mehr macht
- Kein ständiges Verlangen: Die Gedanken kreisen nicht mehr permanent um die nächste Zigarette
- Höhere Erfolgsquote: Statistisch gesehen schaffen es mehr Menschen dauerhaft rauchfrei zu werden
Kritische Erfahrungen und Probleme
Jetzt kommt der Teil, den ich dir nicht verschweigen will. Die Erfahrungen mit Vareniclin fallen auch negativ aus – und das nicht selten.
- Übelkeit ist sehr häufig: Etwa jeder dritte hat damit zu kämpfen, besonders in den ersten Wochen
- Schlafprobleme und lebhafte Träume: Manche berichten von regelrechten Albträumen
- Stimmungsveränderungen: Das ist der heikelste Punkt – dazu gleich mehr
- Der Preis: Eine Therapie kostet je nach Apotheke 150-250 Euro (nicht von allen Kassen übernommen)
Eine Patientin sagte mir mal: „Die Übelkeit war so heftig, dass ich nach drei Wochen abgebrochen habe. Für mich war das nichts.“ Das ist eine ehrliche Rückmeldung. Nicht jede Methode passt zu jedem Menschen.
Kurz eingeordnet: Wenn du zu den Menschen gehörst, die empfindlich auf Medikamente reagieren oder bereits Probleme mit der Psyche haben, solltest du besonders vorsichtig sein. Darüber reden wir gleich noch genauer.
Nebenwirkungen von Champix: Was du wissen musst
Kommen wir zum medizinisch wichtigsten Teil. Jedes wirksame Medikament hat Nebenwirkungen – das ist normal. Bei Vareniclin gibt es allerdings einige, über die du wirklich Bescheid wissen solltest, bevor du es nimmst.
Häufige Nebenwirkungen (mehr als 10% der Anwender)
- Übelkeit: Mit Abstand die häufigste Nebenwirkung. Tritt bei etwa 30% auf, meist in den ersten zwei Wochen
- Kopfschmerzen: Oft mild, aber nervig
- Schlafstörungen: Einschlafprobleme oder häufiges Aufwachen
- Abnorme Träume: Sehr lebhafte, manchmal bizarre Träume – klingt lustig, kann aber belastend sein
Mein Tipp zur Übelkeit: Nimm Vareniclin immer mit reichlich Essen. Nicht auf nüchternen Magen. Das reduziert die Übelkeit deutlich. Manche schwören darauf, die Abend-Dosis früher zu nehmen, damit die Übelkeit nicht den Schlaf stört.
Seltene aber ernste Nebenwirkungen
Jetzt wird es wichtig. Es gibt Nebenwirkungen, die selten sind, aber ernst genommen werden müssen:
- Stimmungsveränderungen und Depression: Manche Menschen werden unter Vareniclin niedergeschlagen oder depressiv
- Suizidgedanken: In sehr seltenen Fällen wurden solche Gedanken berichtet
- Aggressivität und Reizbarkeit: Stärker als normale Entzugssymptome
- Krampfanfälle: Extrem selten, aber möglich
Ehrliche Warnung: Die psychischen Nebenwirkungen sind der Grund, warum Champix lange sehr kontrovers diskutiert wurde. Große Studien zeigen mittlerweile, dass das Risiko geringer ist als anfangs befürchtet – aber es ist nicht null. Wenn du eine Geschichte mit Depression, Angststörungen oder anderen psychischen Erkrankungen hast, musst du das unbedingt mit deinem Arzt besprechen.
Medizinisch gesehen: Die genauen Mechanismen für die psychischen Nebenwirkungen sind nicht vollständig geklärt. Es könnte am Eingriff in das Dopaminsystem liegen – das spielt ja auch bei Stimmung und Motivation eine Rolle.
Was du sofort tun solltest
Brich die Einnahme ab und kontaktiere deinen Arzt, wenn du bei dir feststellst:
- Ungewöhnlich niedergeschlagene Stimmung, die länger anhält
- Gedanken, dir selbst zu schaden
- Starke Verhaltensänderungen, die andere an dir bemerken
- Starke Angstzustände oder Panikattacken
Kein Rauchstopp ist es wert, deine mentale Gesundheit zu riskieren. Punkt.
Dosierung und Anwendung: So nimmst du Champix richtig ein
Vareniclin wird als Tablette eingenommen. Die Standard-Therapie läuft über 12 Wochen, kann aber auf 24 Wochen verlängert werden, wenn nötig.
Der typische Einnahmeplan
Woche 1 (Startphase):
- Tag 1-3: 1x täglich 0,5 mg (weiße Tablette)
- Tag 4-7: 2x täglich 0,5 mg (morgens und abends)
- Du darfst in dieser Woche noch rauchen
Ab Woche 2 (Erhaltungsphase):
- 2x täglich 1 mg (blaue Tablette)
- Jetzt solltest du mit dem Rauchen aufhören (idealerweise zwischen Tag 8 und 14)
- Diese Dosis nimmst du 11 weitere Wochen
Die langsame Dosissteigerung ist wichtig. Sie reduziert die Übelkeit deutlich. Einige Ärzte verschreiben auch dauerhaft nur 2x 0,5 mg, wenn die höhere Dosis nicht vertragen wird – das funktioniert auch, ist aber etwas weniger effektiv.
Praktische Einnahme-Tipps
- Nimm die Tabletten immer zur gleichen Uhrzeit – hilft gegen Vergessen
- Immer mit vollem Glas Wasser und am besten nach dem Essen
- Wenn dir übel wird: Die Abenddosis früher nehmen, zum Beispiel schon um 18 Uhr statt vor dem Schlafengehen
- Eine Tablette vergessen? Nicht die doppelte Menge nachträglich nehmen – einfach beim nächsten regulären Zeitpunkt weitermachen
Kurz eingeordnet: Die Einnahme ist unkompliziert. Zweimal am Tag eine Tablette schlucken schafft jeder. Das ist deutlich weniger Aufwand als ständig an Nikotinkaugummis zu denken oder Pflaster zu wechseln.
Für wen ist Vareniclin geeignet – und für wen nicht?
Nicht jeder sollte Champix nehmen. Das Medikament ist verschreibungspflichtig – und das aus gutem Grund. Dein Arzt muss einschätzen, ob es für dich passt.
Champix könnte gut für dich sein, wenn:
- Du stark abhängig bist (mehr als 15-20 Zigaretten täglich)
- Du schon mehrfach mit anderen Methoden gescheitert bist
- Du keine schweren psychischen Vorerkrankungen hast
- Du bereit bist, das Medikament konsequent über 12 Wochen zu nehmen
- Dir die verhaltenspsychologische Komponente bewusst ist – alte Muster musst du trotzdem durchbrechen
Vareniclin ist NICHT geeignet, wenn:
- Du schwanger bist oder stillst
- Du unter 18 Jahre alt bist
- Du aktuell depressiv bist oder warst
- Du Suizidgedanken hattest oder hast
- Du schwere Nierenprobleme hast
- Du zu Krampfanfällen neigst
Ehrliche Einschätzung: Wenn du dir unsicher bist, ob du psychisch stabil genug für Vareniclin bist – dann lass es lieber. Es gibt andere Wege zum Rauchstopp. Die Allen Carr Methode oder Hypnose haben keine solchen Risiken. Sie sind vielleicht statistisch etwas weniger effektiv, aber dafür ohne medikamentöse Nebenwirkungen.
Champix vs. andere Rauchentwöhnungsmethoden: Ein ehrlicher Vergleich
Wo steht Vareniclin im Vergleich zu anderen Methoden? Lass uns das mal nüchtern betrachten.
Champix vs. Nikotinersatztherapie
Erfolgsquote: Vareniclin schneidet in Studien meist etwas besser ab. Nach einem Jahr sind etwa 20-25% mit Vareniclin rauchfrei, bei Nikotinersatz 15-20%. Klingt wenig? Ist aber ein relevanter Unterschied.
Handhabung: Vareniclin ist simpler – zweimal täglich eine Pille. Nikotinersatztherapie erfordert mehr Aufmerksamkeit – Kaugummi richtig kauen, Pflaster wechseln, Spray dosieren.
Nebenwirkungen: Hier punktet Nikotinersatz. Übelkeit, psychische Probleme – die fallen bei Nikotinpflaster weg. Du kannst maximal eine Hautreizung kriegen. Das ist deutlich harmloser.
Kosten: Beide etwa gleich teuer (150-250 Euro für eine komplette Therapie). Manche Krankenkassen übernehmen Nikotinersatz eher als Champix.
Meine Einschätzung: Wenn du keine psychischen Vorerkrankungen hast und stark abhängig bist, ist Vareniclin einen Versuch wert. Aber Nikotinersatz ist die sicherere, nebenwirkungsärmere Option für die meisten Menschen.
Champix vs. Zyban (Bupropion)
Zyban ist das andere verschreibungspflichtige Medikament zur Rauchentwöhnung. Es ist eigentlich ein Antidepressivum, das auch die Entzugssymptome lindert. Mehr dazu findest du in meinem Vergleich zwischen Champix und Zyban.
Wirksamkeit: Vareniclin ist meist etwas effektiver als Bupropion. Die Unterschiede sind aber nicht riesig.
Nebenwirkungen: Bei Bupropion sind Mundtrockenheit und Schlaflosigkeit häufig, dafür weniger Übelkeit. Auch hier gibt es ein Krampfanfall-Risiko, allerdings höher als bei Vareniclin.
Wann Zyban statt Champix: Wenn du gleichzeitig depressive Symptome hast, kann Bupropion die bessere Wahl sein – es hebt die Stimmung. Bei reiner Rauchabhängigkeit ist Vareniclin meist die erste Wahl.
Champix vs. Verhaltenstherapie oder Apps
Jetzt wird’s interessant. Nichtraucher-Apps oder Verhaltenstherapie arbeiten nicht körperlich, sondern mental. Sie helfen dir, die psychologischen Muster zu durchbrechen.
Die Wahrheit: Am besten funktioniert die Kombination. Studien zeigen klar: Vareniclin plus Verhaltensunterstützung schlägt Vareniclin alleine. Das Medikament macht den körperlichen Entzug leichter – aber die mentale Arbeit musst du trotzdem machen.
Eine App wie die in meinem Nichtraucher-Apps Test kann diese Unterstützung liefern. Kostenlos. Ohne Nebenwirkungen. Parallel zu Champix.
Der Klassiker unter den Rauchentwöhnungs-Büchern. Viele schwören darauf, dass dieses Buch parallel zur medikamentösen Behandlung die mentale Einstellung verändert hat.
Kosten und Verfügbarkeit: Was kostet Champix und zahlt die Kasse?
Kommen wir zum Finanziellen. Champix ist nicht billig – aber Rauchen ist es auch nicht.
Was kostet eine Champix-Therapie?
- Startpackung (4 Wochen): etwa 90-120 Euro
- Folgepackungen (je 4 Wochen): etwa 80-110 Euro
- Komplette 12-Wochen-Therapie: circa 180-250 Euro je nach Apotheke
- Arztkosten: Die Konsultation übernimmt normalerweise deine Krankenkasse
Zum Vergleich: Wenn du eine Schachtel am Tag rauchst (8 Euro), gibst du im Monat 240 Euro fürs Rauchen aus. Die gesamte Champix-Therapie hat sich nach einem Monat Nichtrauchen schon amortisiert.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Das ist unterschiedlich und – ehrlich gesagt – etwas frustrierend. Die gesetzlichen Krankenkassen sind nicht verpflichtet, Rauchentwöhnungsmedikamente zu bezahlen. Einige tun es trotzdem, andere nicht.
- Manche Kassen übernehmen 50-100% der Kosten als Gesundheitsförderung
- Oft musst du einen Antrag stellen und begründen, warum du das Medikament brauchst
- Ein ärztliches Attest über frühere gescheiterte Versuche hilft
- Private Kassen handhaben das sehr unterschiedlich
Mein Tipp: Ruf vor dem Arztbesuch bei deiner Krankenkasse an und frag nach. Fünf Minuten Telefonat können dir 200 Euro sparen. Manche Kassen haben spezielle Rauchfrei-Programme, in die Champix eingebunden ist.
Gibt es Generika oder günstigere Alternativen?
Seit der Wiederzulassung 2026 gibt es vereinzelt Vareniclin-Generika, also Nachahmerprodukte ohne Markennamen. Die sind meist 20-30% günstiger als das Original. Der Wirkstoff ist identisch – Vareniclin bleibt Vareniclin.
Frag in der Apotheke explizit nach: „Gibt es Vareniclin auch als Generikum?“ Nicht jede Apotheke hat das vorrätig, kann es aber bestellen.
Champix in der Praxis: Was du vor dem Start wissen solltest
Du hast dich für Vareniclin entschieden? Dann lass mich dir noch ein paar praktische Dinge mitgeben, die ich aus Erfahrung wichtig finde.
Vorbereitung ist alles
Starte nicht einfach blind mit Champix. Bereite dich mental vor:
- Wähl deinen Rauchstopp-Tag bewusst: Nicht mitten in eine stressige Arbeitswoche. Vielleicht ein langes Wochenende, wo du Zeit für dich hast
- Räum vorher auf: Alle Zigaretten, Aschenbecher, Feuerzeuge weg. Wirklich alle. Auch die „Notfall-Schachtel“ im Handschuhfach
- Sag Freunden Bescheid: Soziale Unterstützung verdoppelt die Erfolgschancen
- Leg dir Alternativen zurecht: Was machst du statt rauchen bei Stress? Tiefenatmung? Kurzer Spaziergang? Überleg dir das vorher
Als ich selbst aufgehört habe, hatte ich in der ersten Woche immer eine Flasche Wasser dabei. Jedes Mal wenn ich das Bedürfnis nach einer Zigarette hatte, hab ich einen Schluck getrunken und bewusst durchgeatmet. Klingt banal, hat aber geholfen. Das kannst du auch mit Champix kombinieren.
Die ersten zwei Wochen sind entscheidend
Auch mit Vareniclin sind die ersten 14 Tage die Bewährungsprobe. Das Medikament nimmt dir einen großen Teil der körperlichen Entzugssymptome – aber nicht alle. Und die Gewohnheiten, die bleiben sowieso.
Rechne damit:
- Leichte Unruhe trotz Medikament
- Gedanken ans Rauchen (weniger intensiv, aber sie kommen)
- Situationen, die triggern – der Kaffee am Morgen, der Feierabend, die Kneipe
Plane diese Situationen durch. Wenn du normalerweise beim Kaffee rauchst – änder deine Kaffee-Routine. Trink ihn an einem anderen Ort. Klingt komisch, funktioniert aber. Mehr solche Strategien findest du in meinem ultimativen Rauchstopp-Guide.
Was tun bei starken Nebenwirkungen?
Wenn die Übelkeit oder andere Nebenwirkungen zu heftig werden:
- Sprich mit deinem Arzt über eine Dosisreduktion auf 2x 0,5 mg täglich
- Nimm die Tabletten zu einer anderen Tageszeit
- Probier pflanzliche Mittel gegen Übelkeit (Ingwer-Tee hat bei manchen geholfen)
- Im Notfall: Abbrechen ist okay. Deine Gesundheit geht vor
Niemand verlangt von dir, dass du etwas durchziehst, das dir massiv schadet. Es gibt andere Wege. Die Schlusspunkt-Methode zum Beispiel kommt komplett ohne Medikamente aus.
Häufige Fragen zu Champix und Vareniclin
Kann ich während der Champix-Einnahme Alkohol trinken?
Technisch gesehen ist Alkohol nicht verboten. Aber: Einige Menschen berichten, dass sie Alkohol unter Vareniclin schlechter vertragen oder dass er aggressiver macht. Außerdem ist Alkohol ein klassischer Raucher-Trigger – betrunken werden viele rückfällig. Mein Rat: Verzichte in den ersten vier Wochen komplett auf Alkohol. Dein Rauchstopp ist wichtiger als das Feierabendbier.
Was passiert, wenn ich während der Einnahme doch rauche?
Passieren tut erstmal nichts Schlimmes. Vareniclin blockiert die Nikotinrezeptoren – du wirst merken, dass die Zigarette nicht so befriedigt wie früher. Manche beschreiben es als „leer“ oder „sinnlos“. Das ist sogar ein gewünschter Effekt – dein Gehirn lernt: Rauchen bringt nichts mehr. Trotzdem: Versuch es zu vermeiden. Jede Zigarette kann dich mental zurückwerfen.
Wie lange dauert es, bis Champix wirkt?
Die volle Wirkung entfaltet sich nach etwa einer Woche täglicher Einnahme. Viele spüren aber schon nach 3-4 Tagen, dass Zigaretten anders schmecken. Die Entzugssymptome werden vor allem ab dem Rauchstopp-Tag unterdrückt – also etwa ab Tag 8-14 der Einnahme.
Kann man von Champix abhängig werden?
Nein. Vareniclin hat kein Suchtpotenzial. Es ist kein Opioid oder Benzodiazepin. Du kannst die Einnahme jederzeit beenden, ohne dass dein Körper danach verlangt. Das ist ein großer Vorteil gegenüber anderen Substanzen. Nach der 12-wöchigen Therapie setzt du es einfach ab – fertig.
Hilft Champix auch bei Gelegenheitsrauchern?
Wenn du nur 3-5 Zigaretten am Tag rauchst, ist Champix vermutlich übertrieben. Die Nebenwirkungen stehen dann in keinem guten Verhältnis zum Nutzen. Gelegenheitsraucher kommen meist gut mit Nikotinkaugummis oder einer mentalen Methode wie Allen Carr zurecht. Champix ist wirklich für stark Abhängige gedacht.
Was ist nach den 12 Wochen? Brauche ich eine Erhaltungstherapie?
Die Standard-Therapie sind 12 Wochen. Studien zeigen, dass eine Verlängerung auf 24 Wochen die langfristigen Erfolgsquoten nochmal verbessert – von etwa 20% auf 27% Dauererfolg. Wenn du in den ersten 12 Wochen erfolgreich warst, aber Angst vor einem Rückfall hast, kannst du mit deinem Arzt über eine Verlängerung sprechen. Danach wird’s nicht mehr sinnvoller – irgendwann musst du ohne Medikament klarkommen.
Mein Fazit: Ist Champix den Versuch wert?
Nach allem, was ich dir jetzt erzählt habe – was ist meine ehrliche Einschätzung zu den Champix Erfahrungen mit Vareniclin?
Das Medikament funktioniert. Die Studienlage ist klar: Es verdoppelt bis verdreifacht deine Chancen auf einen erfolgreichen Rauchstopp. Für viele stark abhängige Raucher ist es ein Gamechanger – endlich ein Versuch, bei dem die körperlichen Entzugssymptome nicht alles dominieren.
Aber: Es ist kein Wundermittel. Die psychischen Nebenwirkungen sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn du eine Vorgeschichte mit Depression hast, solltest du sehr vorsichtig sein – oder eine andere Methode wählen.
Die gute Nachricht: Du musst dich nicht für eine Methode entscheiden. Kombiniere Vareniclin mit mentaler Unterstützung durch eine App oder Verhaltenstherapie. Das bringt die besten Ergebnisse.
Und wenn Champix nicht für dich funktioniert – sei es wegen Nebenwirkungen oder weil du damit nicht klarkommst – dann ist das okay. Es gibt so viele andere Wege. Die sieben besten Methoden im Überblick zeigen dir, dass Rauchentwöhnung viele Gesichter hat.
Was zählt, ist nicht die perfekte Methode. Was zählt, ist dass du nicht aufgibst. Jeder Versuch bringt dich näher an dein Ziel – auch wenn du zwischendurch scheiterst. Das sage ich nicht als Floskel, sondern weil ich es in meiner Arbeit immer wieder sehe: Menschen, die beim vierten oder fünften Anlauf endlich rauchfrei werden. Und das ist jeden einzelnen Versuch wert gewesen.
Wenn du nach gründlicher Abwägung sagst: „Ich probiere Champix“ – dann mach es richtig. Nimm es konsequent, bereite dich mental vor, such dir Unterstützung. Und sei ehrlich zu dir, wenn die Nebenwirkungen zu heftig werden.
Du schaffst das. Mit Champix, ohne Champix – auf deine Weise.
