Medikamente zur Rauchentwöhnung auf Rezept

Für viele Raucher reicht Willenskraft allein nicht aus, um dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören. Medikamente zur Rauchentwöhnung können die Erfolgschancen deutlich erhöhen, indem sie Entzugssymptome lindern und das Verlangen nach Nikotin reduzieren. Doch welche Medikamente gibt es, wann werden sie auf Rezept verschrieben und wer trägt die Kosten? Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die medikamentöse Rauchentwöhnung in Deutschland.

Überblick: Medikamente zur Rauchentwöhnung

In Deutschland stehen verschiedene medikamentöse Optionen zur Verfügung, die sich in Wirkprinzip, Verfügbarkeit und Kostenerstattung unterscheiden. Die wichtigsten Präparate im Überblick:

Medikament Wirkstoff Rezeptpflicht Kosten (ca.) Kassenerstattung
Champix Vareniclin Ja 180–250 € (12 Wochen) Seit 2026 möglich
Zyban Bupropion Ja 120–180 € (7–9 Wochen) Seit 2026 möglich
Cytisin (Asmoken) Cytisin Ja Ca. 25–50 € (25 Tage) Seit 2026 möglich
Nikotinpflaster Nikotin Nein 50–120 € (8–12 Wochen) Nein
Nikotinkaugummi Nikotin Nein 30–80 € (variabel) Nein
Nikotinspray Nikotin Nein 25–50 € pro Packung Nein

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Verschreibungspflichtige Medikamente im Detail

Vareniclin (Champix / Chantix)

Vareniclin ist der am besten untersuchte Wirkstoff zur Rauchentwöhnung und gilt laut internationalen Leitlinien als wirksamste medikamentöse Einzeltherapie. Der Wirkstoff bindet an die Nikotinrezeptoren im Gehirn und wirkt dabei auf zwei Wegen:

  • Partialagonistisch: Er stimuliert die Rezeptoren leicht, wodurch Entzugssymptome und Verlangen reduziert werden
  • Antagonistisch: Er blockiert die Rezeptoren für Nikotin, sodass das Rauchen einer Zigarette keinen befriedigenden Effekt mehr hat

Die Behandlung beginnt 1–2 Wochen vor dem geplanten Rauchstopp mit einer niedrigen Dosis, die schrittweise gesteigert wird. Die empfohlene Behandlungsdauer beträgt 12 Wochen, kann bei Bedarf auf 24 Wochen verlängert werden.

Wirksamkeit: Studien zeigen eine Abstinenzquote von 25–35 % nach 12 Monaten — etwa doppelt so hoch wie bei Placebo. In Kombination mit einer Verhaltenstherapie steigen die Erfolgsquoten auf bis zu 40 %.

Nebenwirkungen: Häufig treten Übelkeit (ca. 30 %), Schlafstörungen, ungewöhnliche Träume und Kopfschmerzen auf. Die Übelkeit lässt meist nach den ersten Behandlungswochen nach.

Hinweis: Champix war aufgrund von Verunreinigungen zeitweise vom Markt genommen. Seit 2026 ist Vareniclin in Deutschland wieder über Generika-Hersteller verfügbar. Sprechen Sie Ihren Arzt auf die aktuelle Verfügbarkeit an.

Bupropion (Zyban)

Bupropion wurde ursprünglich als Antidepressivum entwickelt und wird unter dem Handelsnamen Zyban zur Rauchentwöhnung eingesetzt. Der Wirkstoff hemmt die Wiederaufnahme von Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und reduziert dadurch Entzugssymptome und Rauchverlangen.

  • Behandlungsbeginn: 1–2 Wochen vor dem Rauchstopp
  • Dosierung: Einschleichend über 6 Tage, dann 150 mg zweimal täglich
  • Behandlungsdauer: 7–9 Wochen

Wirksamkeit: Die Abstinenzquote nach 12 Monaten liegt bei 20–25 % — etwas niedriger als bei Vareniclin, aber deutlich höher als bei Placebo.

Nebenwirkungen: Schlaflosigkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen. In seltenen Fällen (unter 0,1 %) kann Bupropion das Risiko für Krampfanfälle erhöhen. Daher ist es bei Patienten mit Epilepsie oder Essstörungen kontraindiziert.

Vorteil: Bupropion kann eine Gewichtszunahme nach dem Rauchstopp teilweise verhindern — ein häufiger Grund für Rückfälle.

Cytisin (Asmoken)

Cytisin ist ein pflanzlicher Wirkstoff aus dem Goldregen (Cytisus laburnum), der in Osteuropa seit Jahrzehnten zur Rauchentwöhnung eingesetzt wird. In Deutschland ist er unter dem Handelsnamen Asmoken erhältlich.

  • Wirkmechanismus: Ähnlich wie Vareniclin — partieller Agonist an Nikotinrezeptoren
  • Behandlungsdauer: 25 Tage (deutlich kürzer als Vareniclin oder Bupropion)
  • Kosten: Ca. 25–50 € — damit das günstigste verschreibungspflichtige Präparat

Wirksamkeit: Aktuelle Metaanalysen zeigen eine Abstinenzquote von 20–30 % nach 12 Monaten. Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit Nikotinersatztherapie und möglicherweise nur geringfügig niedriger als bei Vareniclin.

Vorteil: Deutlich günstiger als Vareniclin und Bupropion bei vergleichbarer Wirksamkeit. Die kurze Behandlungsdauer erhöht zudem die Therapietreue.

Gesetzesänderung 2026: Kassenerstattung für Entwöhnungsmedikamente

Eine wichtige Neuerung betrifft die Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung. Mit dem Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz (ALBVVG) wurde § 34 SGB V geändert. Seit 2026 können verschreibungspflichtige Medikamente zur Tabakentwöhnung unter bestimmten Voraussetzungen von der Krankenkasse erstattet werden:

  • Die Verordnung muss im Rahmen einer evidenzbasierten Therapie zur Tabakentwöhnung erfolgen
  • Die medikamentöse Behandlung muss mit einer verhaltenstherapeutischen Maßnahme kombiniert werden
  • Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) legt die genauen Rahmenbedingungen fest
  • Die Erstattung ist in der Regel auf einen Behandlungszyklus begrenzt

Wichtig: Frei verkäufliche Nikotinersatzprodukte (Pflaster, Kaugummis, Sprays) sind von der Erstattung weiterhin ausgeschlossen. Nur verschreibungspflichtige Präparate wie Vareniclin, Bupropion und Cytisin kommen für die Kassenübernahme infrage.

Wann ist eine medikamentöse Therapie sinnvoll?

Nicht jeder Raucher benötigt Medikamente für den Rauchstopp. Eine medikamentöse Unterstützung ist besonders empfehlenswert bei:

  • Starker körperlicher Abhängigkeit — erkennbar an einem Fagerström-Test-Score von 6 oder höher
  • Gescheiterten Aufhörversuchen — wenn mindestens ein ernsthafter Versuch ohne Medikamente erfolglos war
  • Hohem Zigarettenkonsum — ab ca. 15–20 Zigaretten pro Tag
  • Starken Entzugssymptomen bei früheren Aufhörversuchen
  • Rauchbedingten Erkrankungen — COPD, koronare Herzkrankheit oder nach einem Herzinfarkt

Kombination: Medikamente plus Verhaltenstherapie

Die höchsten Erfolgsquoten werden durch die Kombination von medikamentöser und verhaltenstherapeutischer Behandlung erzielt. Internationale Leitlinien empfehlen ausdrücklich diesen dualen Ansatz. Die Verhaltenstherapie hilft dabei, Rauchgewohnheiten zu verändern und Bewältigungsstrategien für Risikosituationen zu entwickeln, während das Medikament die körperlichen Entzugssymptome lindert.

Diese Kombination ist auch Voraussetzung für die Kassenerstattung der Medikamente seit 2026.

Der Weg zum Rezept: So gehen Sie vor

  • Schritt 1: Vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt und sprechen Sie Ihren Wunsch nach medikamentöser Unterstützung an
  • Schritt 2: Ihr Arzt prüft Ihre gesundheitliche Situation und wählt das geeignete Präparat aus
  • Schritt 3: Melden Sie sich parallel zu einem ZPP-zertifizierten Verhaltenstherapie-Kurs an
  • Schritt 4: Beginnen Sie die Medikamenteneinnahme 1–2 Wochen vor dem geplanten Rauchstopp
  • Schritt 5: Legen Sie das Rezept zusammen mit dem Nachweis der Verhaltenstherapie bei Ihrer Krankenkasse vor

Fazit: Medikamente als wirksame Hilfe mit wachsender Kassenunterstützung

Medikamente zur Rauchentwöhnung sind kein Zeichen von Schwäche, sondern ein evidenzbasiertes Werkzeug, das die Erfolgsquote des Rauchstopps verdoppeln bis verdreifachen kann. Mit der gesetzlichen Neuregelung seit 2026 übernehmen die Krankenkassen erstmals die Kosten für verschreibungspflichtige Entwöhnungsmedikamente — vorausgesetzt, die Behandlung erfolgt in Kombination mit einer Verhaltenstherapie. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die für Sie beste Option und nutzen Sie die neuen Erstattungsmöglichkeiten.

Stefan Neumann
Über den Autor

Stefan Neumann

Stefan ist App-Tester und Daten-Nerd. Er vergleicht Nichtraucher-Apps, analysiert Studien und rechnet vor, wie viel Geld und Lebenszeit du sparst. Wenn es eine Zahl dazu gibt, hat Stefan sie parat.