Nikotinersatztherapie: Pflaster, Kaugummi oder Spray?

Die Nikotinersatztherapie (NET) gehört zu den am besten erforschten Methoden der Rauchentwöhnung. Das Grundprinzip: Dem Körper wird über alternative Wege kontrolliert Nikotin zugeführt, während die schädlichen Verbrennungsprodukte des Tabakrauchs – darunter Teer, Kohlenmonoxid und tausende weitere Giftstoffe – vermieden werden. Doch welches Produkt ist das richtige für Sie? Pflaster, Kaugummi, Spray, Lutschtablette oder Inhaler – jede Form hat ihre eigenen Vor- und Nachteile.

Wie wirkt Nikotinersatztherapie?

Nikotin ist der Hauptsuchtstoff in Zigaretten. Wenn Sie mit dem Rauchen aufhören, sinkt der Nikotinspiegel im Blut rapide ab, was zu unangenehmen Entzugssymptomen führt: Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, gesteigerter Appetit, Schlafstörungen und vor allem starkes Rauchverlangen. Nikotinersatzprodukte mildern diese Symptome, indem sie dem Körper eine kontrollierte Dosis Nikotin zuführen – ohne die gefährlichen Begleitstoffe des Tabakrauchs.

Die Dosierung wird im Verlauf der Behandlung schrittweise reduziert, sodass sich der Körper langsam an immer niedrigere Nikotinspiegel gewöhnt, bis schließlich gar kein Nikotin mehr benötigt wird. Dieser Prozess dauert typischerweise acht bis zwölf Wochen.

Die verschiedenen Nikotinersatzprodukte im Vergleich

Nikotinpflaster

Das Nikotinpflaster wird morgens auf eine saubere, trockene Hautstelle geklebt – idealerweise am Oberarm, an der Hüfte oder am Oberkörper. Es gibt das Nikotin gleichmäßig über den gesamten Tag ab und sorgt so für einen konstanten Nikotinspiegel im Blut.

Vorteile:

  • Einfache Anwendung – einmal morgens aufkleben und den ganzen Tag geschützt sein
  • Diskrete Nutzung unter der Kleidung
  • Gleichmäßige Nikotinfreisetzung ohne Spitzen
  • Ideal für Raucher mit gleichmäßigem Konsummuster

Nachteile:

  • Kann Hautreizungen verursachen – wechseln Sie täglich die Klebestelle
  • Hilft nicht gegen akutes Craving, da die Wirkung verzögert eintritt
  • Manche Anwender berichten über lebhafte Träume bei Verwendung von 24-Stunden-Pflastern

Dosierung: Erhältlich in drei Stärken (z. B. 25 mg, 15 mg, 10 mg bei 16-Stunden-Pflastern). Starke Raucher beginnen mit der höchsten Stufe und reduzieren alle vier Wochen.

Kosten: Etwa 25–50 Euro pro Packung (je nach Stärke und Marke), eine komplette Therapie kostet zwischen 150 und 300 Euro.

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Nikotinkaugummi

Nikotinkaugummis setzen beim Kauen Nikotin frei, das über die Mundschleimhaut aufgenommen wird. Wichtig: Es handelt sich nicht um gewöhnliches Kaugummi. Die richtige Kautechnik ist entscheidend für die Wirksamkeit.

Richtige Anwendung: Kauen Sie das Kaugummi langsam, bis Sie einen leicht pfeffrigen Geschmack wahrnehmen. Dann das Kaugummi zwischen Wange und Zahnfleisch parken, bis der Geschmack nachlässt. Dann erneut kauen. Diesen Zyklus etwa 30 Minuten wiederholen.

Vorteile:

  • Schnelle Wirkung bei akutem Verlangen
  • Flexible Dosierung je nach Bedarf
  • Beschäftigt den Mund – ein wichtiger Faktor für viele Ex-Raucher

Nachteile:

  • Kann Sodbrennen, Schluckauf oder Kieferprobleme verursachen
  • Nicht geeignet bei Zahnprothesen oder Zahnproblemen
  • Erfordert Disziplin bei der Kautechnik

Dosierung: Erhältlich in 2 mg und 4 mg. Leichtere Raucher (unter 20 Zigaretten/Tag) verwenden 2 mg, stärkere Raucher 4 mg. Bis zu 15 Stück pro Tag.

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Nikotinspray (Mundspray)

Das Nikotinmundspray wird direkt in die Mundhöhle gesprüht und bietet die schnellste Nikotinaufnahme aller Ersatzprodukte. Innerhalb von 60 Sekunden erreicht das Nikotin das Gehirn – ähnlich schnell wie bei einer Zigarette.

Vorteile:

  • Schnellste Wirkung aller Nikotinersatzprodukte
  • Ideal gegen plötzliches, starkes Craving
  • Einfache Handhabung

Nachteile:

  • Kann anfänglich zu Reizungen im Mund- und Rachenraum führen
  • Etwas teurer als andere Produkte
  • Höheres Abhängigkeitspotenzial durch schnelle Wirkung

Dosierung: Ein bis zwei Sprühstöße bei Verlangen, maximal 4 Sprühstöße pro Stunde und 64 pro Tag.

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Nikotinlutschtabletten

Lutschtabletten lösen sich langsam im Mund auf und geben dabei Nikotin über die Mundschleimhaut ab. Sie sind eine gute Alternative für Menschen, die kein Kaugummi mögen.

Vorteile:

  • Diskrete Anwendung
  • Verschiedene Geschmacksrichtungen verfügbar
  • Einfach in der Anwendung

Nachteile:

  • Langsamere Wirkung als Spray oder Kaugummi
  • Kann Sodbrennen oder Übelkeit verursachen
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Nikotin-Inhaler

Der Inhaler ähnelt optisch einer Zigarette und wird „geraucht“, wobei Nikotindampf inhaliert wird. Er bedient damit auch das Ritual des Hand-zum-Mund-Führens.

Vorteile:

  • Befriedigt das Bedürfnis nach der Hand-Mund-Bewegung
  • Flexible Anwendung

Nachteile:

  • Kann in der Öffentlichkeit auffällig sein
  • Husten und Rachenreizungen möglich

Kombinationstherapie: Die Erfolgschancen steigern

Die höchsten Erfolgsquoten werden durch die Kombination verschiedener Nikotinersatzprodukte erzielt. Die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin empfehlen ausdrücklich die sogenannte Kombinationstherapie:

  • Basisversorgung: Ein Nikotinpflaster für den gleichmäßigen Grundspiegel
  • Bedarfsmedikation: Zusätzlich ein schnell wirksames Produkt (Kaugummi, Spray oder Lutschtablette) für akute Cravings

Studien zeigen, dass diese Kombination die Erfolgsquote gegenüber einem einzelnen Produkt um 30 bis 40 Prozent steigern kann.

Wichtige Fragen und Antworten

Macht Nikotinersatztherapie nicht auch süchtig?

Das Abhängigkeitspotenzial von Nikotinersatzprodukten ist deutlich geringer als das von Zigaretten. Der Grund: Zigarettenrauch enthält neben Nikotin weitere Substanzen, die das Suchtpotenzial verstärken. Zudem erfolgt die Nikotinaufnahme über Pflaster und Kaugummis langsamer als beim Rauchen, was das Suchtpotenzial weiter senkt.

Kann ich Nikotinersatzprodukte in der Schwangerschaft verwenden?

Grundsätzlich gilt: Nicht rauchen ist immer besser als rauchen, auch wenn Nikotinersatz verwendet wird. Schwangere sollten die Anwendung jedoch unbedingt mit ihrem Arzt besprechen. Pflaster werden wegen der kontinuierlichen Nikotinabgabe weniger empfohlen als bedarfsorientierte Produkte wie Kaugummis.

Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen?

In Deutschland werden Nikotinersatzprodukte in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, da sie als „Lifestyle-Medikamente“ eingestuft sind. Einige Krankenkassen bieten jedoch Bonusprogramme oder Zuschüsse im Rahmen von Präventionskursen an. Es lohnt sich, bei der eigenen Kasse nachzufragen.

Fazit: Bewährte Hilfe mit wissenschaftlicher Grundlage

Die Nikotinersatztherapie ist eine der am besten erforschten und wirksamsten Methoden zur Rauchentwöhnung. Sie erhöht die Erfolgsquote gegenüber einem Aufhörversuch ohne Hilfsmittel um 50 bis 70 Prozent. Welches Produkt für Sie am besten geeignet ist, hängt von Ihren individuellen Rauchgewohnheiten, Vorlieben und Ihrem Alltagsleben ab. Lassen Sie sich in der Apotheke oder von Ihrem Arzt beraten und haben Sie keine Scheu, verschiedene Produkte auszuprobieren oder zu kombinieren. Der wichtigste Schritt ist der Anfang – den Rest können Sie mit der richtigen Unterstützung schaffen.

Dr. Julia Berger
Über den Autor

Dr. Julia Berger

Dr. Julia Berger ist Gesundheitswissenschaftlerin und selbst seit 8 Jahren rauchfrei. Sie erklärt komplexe medizinische Zusammenhänge verständlich und zeigt, wie sich der Körper nach dem Rauchstopp regeneriert. Ihre Artikel sind fundiert, aber nie belehrend.