Wenn du bemerkst, dass dein Teenager raucht, ist das ein Schock. Die erste Reaktion ist oft ein Mix aus Wut, Enttäuschung und Hilflosigkeit. Du fragst dich: Wie konnte das passieren? Und vor allem: Wie bringe ich mein Kind dazu, wieder damit aufzuhören?
Die gute Nachricht zuerst: Du kannst etwas tun. Und zwar mehr, als du vielleicht denkst. Die weniger gute: Es funktioniert anders, als die meisten Eltern sich das vorstellen. Verbote, Drohungen und gut gemeinte Vorträge über Lungenkrebs verfehlen bei Jugendlichen meist ihr Ziel. Aber es gibt Wege, die wirklich helfen.
Die Situation ist herausfordernder als bei Erwachsenen, weil Jugendliche in einer Entwicklungsphase stecken, in der die Peer-Group alles und Elternratschläge wenig bedeuten. Gleichzeitig ist es die beste Zeit für einen Rauchstopp: Die körperliche Abhängigkeit ist noch nicht so ausgeprägt wie nach Jahren des Rauchens. Das Zeitfenster ist also günstig – wenn du es richtig angehst.
Warum Jugendliche wirklich zur Zigarette greifen
Die wenigsten Teenager rauchen, weil sie nikotinabhängig sind. In den ersten Monaten steht das Nikotin gar nicht im Vordergrund. Es geht um soziale Gründe: Zugehörigkeit zur Gruppe, Abgrenzung vom Elternhaus, das Gefühl erwachsen zu wirken.
Eine Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigt: 70% der jugendlichen Raucher geben soziale Gründe an, nur 30% sprechen von körperlicher Abhängigkeit. Das bedeutet: Wenn du mit „Rauchen macht süchtig!“ argumentierst, redest du an der Realität deines Kindes vorbei.
Manche Jugendliche rauchen auch, um Stress zu bewältigen. Schulstress, Prüfungsangst, Konflikte mit Freunden oder Liebeskummer – die Zigarette wird zum Ventil. Sie gibt das Gefühl, kurz rauszukönnen aus der Anspannung. Dass das nur eine Illusion ist und Rauchen Stress langfristig verstärkt, spielt in dem Moment keine Rolle.
Andere rauchen aus Langeweile. Gerade in ländlichen Gegenden, wo wenig los ist, wird die Zigarette zur Beschäftigung. Oder es läuft in der Clique einfach so: Man trifft sich, man raucht. Das gehört zusammen wie Kinobesuch und Popcorn.
Wichtig ist: Wenn du verstehst, warum dein Kind raucht, kannst du passende Alternativen anbieten. Ein Teenager, der aus Langeweile raucht, braucht andere Impulse als einer, der damit Gruppendruck standhält oder emotionalen Druck reguliert.
Warum klassische Erziehungsmaßnahmen hier versagen
Verbote funktionieren nicht, weil sie genau das verstärken, was Jugendliche suchen: Rebellion und Autonomie. Wenn du sagst „Du darfst nicht rauchen!“, hört dein Kind „Ich kontrolliere dein Leben noch immer.“ Das stärkt den Reiz der Zigarette, sie wird zum Symbol der Selbstbestimmung.
Auch Drohungen verfehlen ihr Ziel. „Wenn ich dich nochmal beim Rauchen erwische, gibt’s Hausarrest für einen Monat!“ führt nur dazu, dass heimlicher geraucht wird. Die Kommunikation leidet, das Vertrauen bröckelt – aber das Rauchen bleibt. Oft wird es sogar mehr, weil jetzt auch noch der Trotz dazukommt.
Selbst gut gemeinte Angstmache verfängt nicht. Lungenkrebs, COPD, Herzinfarkt – das sind Krankheiten, die in 30 oder 40 Jahren vielleicht kommen. Für einen 15-Jährigen ist das so weit weg wie das Rentenalter. Das jugendliche Gehirn ist noch nicht vollständig entwickelt, besonders der präfrontale Kortex, der für die Einschätzung langfristiger Konsequenzen zuständig ist.
Was bei Erwachsenen wirkt – rationale Argumente, Gesundheitsstatistiken, Langzeitfolgen – prallt bei Teenagern oft ab. Sie brauchen andere Anker. Und sie brauchen das Gefühl, selbst zu entscheiden, nicht gezwungen zu werden.
So führst du das erste Gespräch, ohne dass es eskaliert
Der Moment, wie du das Thema ansprichst, entscheidet über alles Weitere. Erwischst du dein Kind gerade beim Rauchen und rastest aus, baust du eine Mauer auf, die sich nur schwer wieder einreißen lässt.
Warte auf einen ruhigen Moment. Nicht abends, wenn alle gestresst sind. Nicht zwischen Tür und Angel. Ein Spaziergang funktioniert gut, oder die Autofahrt zu einem Termin. Situationen, in denen ihr nicht in direktem Blickkontakt seid, erleichtern heikle Gespräche. Der Blick geradeaus nimmt Druck raus.
Beginne mit deinen eigenen Gefühlen, nicht mit Vorwürfen: „Mir ist aufgefallen, dass du rauchst, und das macht mir Sorgen. Ich möchte verstehen, was dahintersteckt.“ Das ist etwas ganz anderes als „Bist du jetzt komplett verrückt geworden?“
Hör dann wirklich zu. Viele Eltern formulieren innerlich schon ihre nächsten Argumente, während das Kind noch spricht. Jugendliche haben dafür feine Antennen. Sie spüren sofort, ob du ihre Perspektive wirklich verstehen willst oder nur darauf wartest, deine Predigt loszuwerden.
Stelle offene Fragen: „Was gefällt dir am Rauchen?“ „Wie fühlst du dich dabei?“ „Gibt es auch Situationen, wo du es nervt?“ Solche Fragen bringen dein Kind ins Nachdenken, ohne dass du belehren musst. Oft kommen dann Antworten wie „Ehrlich gesagt, schmeckt’s mir nicht mal“ oder „Es ist halt teuer“. Diese Ambivalenz ist dein Ansatzpunkt.
Teile auch eigene Erfahrungen. Hast du selbst mal geraucht? Warum hast du angefangen, warum aufgehört? Warst du mal in einer Situation, wo Gruppendruck eine Rolle spielte? Solche Geschichten bauen Brücken und zeigen: Ich verstehe dich, weil ich auch mal in deinem Alter war.
Die Argumente, die bei Jugendlichen wirklich ziehen
Vergiss Lungenkrebs und COPD. Konzentrier dich auf das Hier und Jetzt. Was wirkt, sind unmittelbare Nachteile, die dein Kind jeden Tag spürt:
Geruch und Attraktivität: Raucher riechen nach Rauch – in den Haaren, an der Kleidung, im Atem. Beim Flirten, beim ersten Kuss ist das ein massiver Nachteil. Studien zeigen, dass über 80% der Nichtraucher Kusspartner, die rauchen, als unangenehm empfinden. Und ja, das andere Geschlecht merkt das. Immer.
Haut und Aussehen: Rauchen verschlechtert die Durchblutung der Haut. Schon nach wenigen Monaten wird die Haut fahl, Pickel heilen schlechter, unter den Augen bilden sich schneller Schatten. Für Jugendliche, die gerade viel Wert auf ihr Aussehen legen, ist das ein handfestes Argument.
Sportliche Leistung: Schon nach wenigen Wochen Rauchen sinkt die Ausdauer messbar. Beim Fußball, beim Tanzen, beim Skaten – überall macht sich das bemerkbar. Die Lunge kommt nicht mehr mit, das Herz muss härter arbeiten. Wer aufhört, merkt nach 48 Stunden bereits eine Verbesserung, nach zwei Wochen ist der Unterschied deutlich spürbar.
Geld: Eine Schachtel am Tag kostet rund 7 Euro, das sind 210 Euro im Monat. Rechnet gemeinsam aus, was sich damit finanzieren ließe: ein neues Handy nach drei Monaten, der Führerschein nach einem Jahr, ein Urlaub mit Freunden, die neuen Sneaker, die gerade angesagt sind. Geld ist für Jugendliche meist knapp – diese Rechnung sitzt.
Freiheit statt Abhängigkeit: Raucher müssen bei Partys regelmäßig raus, müssen sich sorgen, ob noch Zigaretten da sind, können nicht spontan wegfahren ohne Nachschub. Sie sind abhängig von Öffnungszeiten, Tankstellen, dem nächsten Automaten. Das widerspricht dem Freiheitsbedürfnis, das Jugendliche gerade entwickeln. „Brauchst du wirklich ein kleines weißes Stäbchen, das dir sagt, wann du eine Pause machst?“
Nutze den Nichtraucher-Rechner, um gemeinsam konkrete Zahlen zu ermitteln. Visualisierung macht den Unterschied. Wenn dein Kind sieht, dass nach einem Jahr über 2.500 Euro zusammenkommen, wird das plötzlich sehr real.
Praktische Strategien für den Ausstieg
Die Peer-Group einbeziehen, nicht bekämpfen: Wenn die gesamte Clique raucht, ist Aufhören doppelt schwer. Anstatt zu fordern „Such dir andere Freunde“, hilf deinem Kind, in der Gruppe trotzdem standzuhalten. Rollenspiele helfen: Wie reagiert es, wenn alle zur Raucherpause gehen? „Nee, ich bin grad dabei aufzuhören“ oder einfach „Nee, hab grad keinen Bock“ reichen oft.
Manchmal raucht auch nur ein Teil der Gruppe. Dann kann dein Kind sich bewusst den nichtrauchenden Freunden anschließen. Oder es findet einen Buddy, der auch aufhören will. Zu zweit ist es leichter. Ihr könnt euch gegenseitig motivieren, Erfolgserlebnisse teilen, in kritischen Momenten anrufen.
Einen konkreten Rauchstopp-Tag festlegen: „Irgendwann aufhören“ funktioniert nicht. Es braucht ein Datum. Vielleicht der Beginn der Sommerferien, der Geburtstag, der erste Tag nach einer Klausurphase. Ein Termin macht es verbindlich und gibt Zeit zur mentalen Vorbereitung.
An diesem Tag sollte dein Kind alle Zigaretten, Feuerzeuge und Aschenbecher entsorgen. Keine „Notfall-Zigarette“ behalten – das ist eine Einladung zum Rückfall. Mach daraus ein kleines Ritual: gemeinsam die letzte Schachtel zerreißen und wegwerfen.
Sport als Anker: Bewegung ist die beste Nikotinersatztherapie für Jugendliche. Sie reduziert Stress, verbessert die Laune durch Endorphine und zeigt schnell positive Effekte. Schon nach einer Woche ohne Zigaretten steigt die Ausdauer merklich. Vielleicht findet ihr eine Sportart, die euch beiden Spaß macht – gemeinsame Aktivitäten stärken nebenbei die Beziehung.
Das kann Joggen sein, Schwimmen, Bouldern, Tanzen, Basketball. Wichtig ist, dass es dreimal pro Woche stattfindet, besonders in den ersten kritischen Wochen. Sport strukturiert auch den Tag und füllt Zeit, die sonst mit Rauchen verbracht wurde.
Rituale ersetzen: Für viele Raucher ist nicht nur das Nikotin wichtig, sondern auch das Ritual: Die Pause, das Rausgehen, die Routine. Dein Kind braucht neue Rituale für diese Momente. Was passt? Kurz rausgehen und Musik hören? Ein bestimmter Kaugummi? Fünf Minuten Handy-Games? Ein Glas Wasser trinken?
Besonders die erste Zigarette am Morgen und die nach dem Essen sind stark ritualisiert. Plant gemeinsam Alternativen: direkt nach dem Aufstehen eine kalte Dusche oder zehn Liegestütze, nach dem Essen ein Spaziergang um den Block oder ein Stück Obst.
Das Geld wirklich sparen: Richtet ein separates Konto oder ein Sparschwein ein, wo das Zigarettengeld hineinkommt. Jeden Tag 7 Euro sind nach einem Monat über 200 Euro – sichtbar, real, nutzbar. Das motiviert konkret und zeigt bei jedem Blick auf den wachsenden Betrag: Es lohnt sich.
Definiert ein Sparziel: Was möchte dein Kind sich kaufen? Ein Konzertticket, neue Kopfhörer, einen Gaming-PC? Je konkreter das Ziel, desto stärker die Motivation. Hängt vielleicht ein Bild davon an die Wand als tägliche Erinnerung.
Apps und digitale Helfer: Was Teenagern wirklich hilft
Jugendliche leben mit dem Smartphone in der Hand. Das kannst du nutzen. Nichtraucher-Apps mit Gamification-Elementen funktionieren bei dieser Altersgruppe erstaunlich gut.
Nichtraucher-App & Ratgeber für Jugendliche
Apps mit Fortschrittsanzeige, Belohnungssystem und Community können besonders bei technikaffinen Jugendlichen gut funktionieren.
Auf Amazon ansehenWas bei Apps wirkt: Streak-Counter (wie viele Tage rauchfrei?), Achievements (Meilensteine erreichen), Vergleiche mit anderen Nutzern. Das Prinzip kennen sie aus Spielen – hier wird es für etwas Sinnvolles genutzt. Die Befriedigung, einen Streak nicht zu brechen, kann überraschend stark sein.
Manche Apps zeigen minütlich, wie sich der Körper erholt: nach 20 Minuten sinkt der Blutdruck, nach 8 Stunden steigt der Sauerstoffgehalt im Blut, nach 48 Stunden regenerieren sich Geruchs- und Geschmackssinn. Solche kurzfristigen Erfolge motivieren, weil sie zeigen: Es passiert was. Sofort.
Auch Community-Funktionen helfen. Wenn dein Kind sieht, dass tausende andere Jugendliche ebenfalls gerade aufhören, fühlt es sich weniger allein. Manche Apps haben Chatfunktionen, wo man sich in kritischen Momenten gegenseitig unterstützt.
Ein Tipp: Lass dein Kind selbst die App aussuchen. Wenn es sich aktiv dafür entscheidet, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sie auch nutzt. Schau gemeinsam die Bewertungen an, probiert zwei oder drei aus.
Nikotinersatz und Hilfsmittel: Was sinnvoll ist, was schadet
Bei Jugendlichen, die bereits stark abhängig sind – also täglich eine Schachtel oder mehr rauchen und ohne Zigarette starke Entzugssymptome wie Zittern, Schwitzen oder extreme Gereiztheit zeigen – können Nikotinpflaster die ersten kritischen Tage erleichtern.
In schweren Fällen kann ein Arzt über den Einsatz von Nikotinersatz bei Jugendlichen entscheiden. Dies sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Nikotinpflaster können die körperlichen Entzugssymptome mildern, während dein Kind lernt, ohne das Ritual der Zigarette klarzukommen. Das erleichtert den Einstieg. Nach zwei bis drei Wochen sollte die Dosis reduziert werden, nach sechs Wochen ist meist Schluss.
Von E-Zigaretten als Ausstiegshilfe raten Experten bei Jugendlichen eindeutig ab. Sie halten das Ritual aufrecht, die Hand-Mund-Bewegung bleibt, die Nikotinabhängigkeit wird möglicherweise sogar verstärkt. Studien zeigen, dass Jugendliche, die zur E-Zigarette wechseln, häufig jahrelang beim Dampfen bleiben oder später wieder zu Tabak greifen.
Was viele nicht wissen: E-Zigaretten sind für die sich entwickelnden Gehirne von Jugendlichen besonders riskant. Nikotin in jungen Jahren beeinflusst die Hirnentwicklung negativ, stört die Bildung von Synapsen und erhöht die Anfälligkeit für spätere Abhängigkeiten – nicht nur von Nikotin, sondern auch von Alkohol und anderen Drogen.
Dasselbe gilt für Tabakerhitzer oder Nikotinbeutel. Sie mögen „moderner“ oder „weniger schädlich“ wirken, aber sie halten die Abhängigkeit am Leben. Das Ziel muss sein: komplett raus aus der Nikotinfalle.
Wenn ihr als Eltern selbst raucht: Der Elefant im Raum
Rauchst du selbst? Dann wird dein Kind unweigerlich fragen: „Warum soll ich aufhören, wenn du es nicht tust?“ Eine berechtigte Frage. Und eine, auf die du eine ehrliche Antwort brauchst.
Du hast drei Optionen: Erstens, gemeinsam aufhören. Das ist die stärkste Botschaft und verbindet. Ihr unterstützt euch gegenseitig, teilt die Herausforderung, könnt euch austauschen. Viele Eltern berichten, dass sie es im Alleingang nicht geschafft hätten, aber gemeinsam mit ihrem Kind hat es funktioniert.
Zweitens, ehrlich sein: „Ich weiß, dass ich aufhören sollte, aber ich schaffe es nicht. Ich bereue, dass ich damals angefangen habe. Genau deshalb möchte ich, dass du nicht in die gleiche Falle tappst.“ Das nimmt dir nichts von deiner Autorität – im Gegenteil. Es macht dich menschlich und authentisch.
Drittens, klare Regeln: „Ich bin erwachsen und treffe meine Entscheidungen, aber als Elternteil trage ich Verantwortung dafür, dass du gesund aufwächst.“ Das funktioniert, ist aber schwieriger zu vermitteln. Dein Kind wird es als inkonsequent empfinden, und damit hat es nicht ganz unrecht.
Die zweite Variante ist oft die ehrlichste und baut überraschend viel Vertrauen auf. Jugendliche respektieren Authentizität mehr als perfekte Fassaden. Wenn du zugibst, dass du es bereust und es schwer findest aufzuhören, macht dich das nicht schwach – es macht dich echt.
Auf keinen Fall solltest du selbst in der Wohnung oder im Auto rauchen, während du von deinem Kind Rauchfreiheit verlangst. Das ist inkonsequent und wird zu Recht angeprangert werden. Mindestens solltest du dich an die gleichen Regeln halten: nur draußen, nicht im Beisein deines Kindes.
Umgang mit Risikosituationen: Partys, Stress, Langeweile
Die ersten Wochen rauchfrei sind voller Stolpersteine. Bestimmte Situationen sind besonders kritisch, und es hilft, sie im Vorfeld zu besprechen.
Partys: Fast immer wird dort geraucht. Bereitet konkret vor: Was macht dein Kind, wenn jemand ihm eine Zigarette anbietet? Ein klares „Nee, ich rauch nicht mehr“ reicht meist. Wenn der Druck stärker wird: „Meine Eltern würden mich umbringen“ ist eine gesichtswahrende Ausrede. Oder: „Ich bin im Training und merk das sofort in der Lunge.“
Manche Jugendliche halten in solchen Situationen demonstrativ ein Getränk in der Hand, damit die Hände beschäftigt sind. Andere ziehen sich kurz zurück, wenn es zu viel wird – auf die Toilette, kurz raus an die frische Luft ohne die Raucher.
Stress und Prüfungen: Rauchen wird oft als Stressventil genutzt. Aber es lindert Stress nicht, es verstärkt ihn langfristig durch die ständige Entzugssymptomatik zwischen den Zigaretten. Dein Kind braucht andere Wege: Atemübungen (klingt banal, wirkt aber), Sport, Musik, mit jemandem reden.
Eine simple Technik: Die 4-7-8-Atmung. Vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen. Dreimal wiederholen. Das beruhigt nachweislich das Nervensystem und ist in kritischen Momenten sofort verfügbar.
Langeweile: Viel Freizeit, wenig Programm – das ist gefährlich. Plant die ersten rauchfreien Wochenenden bewusst durch. Nicht jede Minute, aber genug Struktur, dass keine großen Lücken entstehen, in denen die Gedanken zum Rauchen wandern.
Rückfälle gehören dazu: Wie du damit umgehst
Die meisten Jugendlichen brauchen mehrere Anläufe. Ein Rückfall bedeutet nicht, dass alles gescheitert ist. Er ist Teil des Prozesses, nicht sein Ende. Wie du darauf reagierst, entscheidet, ob dein Kind weitermacht oder aufgibt.
Nicht mit „Hab ich doch gewusst!“ oder „Das bringt sowieso nichts!“ reagieren. Das zerstört jede Motivation. Stattdessen: „Du hast es zehn Tage geschafft – das ist großartig. Was hat zum Rückfall geführt? Was können wir beim nächsten Mal anders machen?“
Rückfälle sind Lerngelegenheiten. Vielleicht war eine bestimmte Situation der Auslöser – eine Party, Stress vor einer Klausur, Streit mit der Freundin. Wenn ihr das identifiziert, könnt ihr beim nächsten Versuch vorbereitet sein. Was könnte dein Kind in dieser Situation stattdessen tun?
Wichtig ist, dass dein Kind den Rückfall nicht als Totalversagen deutet. Eine Zigarette nach zehn rauchfreien Tagen ist kein Grund, gleich wieder voll einzusteigen. Viele Jugendliche denken „Jetzt ist es eh egal, jetzt kann ich auch weitermachen.“ Genau das ist die Falle. Besser: „Okay, ich hab eine geraucht, aber jetzt höre ich wieder auf. Die zehn Tage waren nicht umsonst.“
Jeder rauchfreie Tag ist ein Erfolg. Jeder Versuch trainiert das Gehirn, ohne Zigaretten klarzukommen. Das ist nicht umsonst. Neurologisch gesehen werden mit jedem Versuch die neuen, rauchfreien Pfade im Gehirn stärker, während die alten schwächer werden.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Wenn dein Kind seit mehr als einem Jahr täglich raucht und eigenständige Ausstiegsversuche immer wieder scheitern, hol euch Unterstützung. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Verantwortung.
Jugendberatungsstellen bieten kostenlose Suchtberatung an. Die Berater sind geschult im Umgang mit jungen Menschen und haben andere Zugangswege als Eltern. Manchmal braucht es eine neutrale Person, die nicht emotional involviert ist. Dein Kind kann dort Dinge ansprechen, die es dir gegenüber nicht sagen würde.
Zertifizierte Nichtraucherkurse gibt es auch speziell für Jugendliche. Die Gruppendynamik hilft vielen – sie sehen, dass sie nicht allein sind, können Erfahrungen austauschen, lernen voneinander. Oft entstehen dort auch neue Freundschaften mit anderen rauchfreien Jugendlichen. Die Kosten werden meist komplett von der Krankenkasse übernommen.
Ein Hinweis zur Psychotherapie: Wenn dein Kind gleichzeitig Anzeichen von Depression, Angststörung oder anderen psychischen Belastungen zeigt, ist Rauchen oft ein Symptom, nicht die Ursache. Dann braucht es therapeutische Unterstützung für die zugrunde liegenden Probleme.
Die Zigarette ist dann ein Bewältigungsversuch, eine Art Selbstmedikation gegen innere Not. Wenn ihr nur das Rauchen bekämpft, sucht sich die Not einen anderen Ausdruck – vielleicht Alkohol, exzessives Gaming, selbstverletzendes Verhalten. Dann ist es wichtig, die Wurzel anzugehen.
Warnsignale sind: anhaltende Niedergeschlagenheit, sozialer Rückzug, Leistungsabfall in der Schule, Schlafprobleme, Appetitveränderungen. Wenn mehrere dieser Zeichen zusammenkommen und über Wochen anhalten, sprich mit deinem Hausarzt oder kontaktiere direkt einen Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.
Was du langfristig tun kannst: Bindung statt Kontrolle
Die beste Rückfallprophylaxe ist eine gute Beziehung. Wenn dein Kind weiß, dass es zu dir kommen kann – auch mit Fehlern, auch mit Rückfällen – bleibt ihr im Gespräch. Wenn es Angst haben muss vor deiner Reaktion, geht es in den Untergrund.
Zeig Interesse an seinem Leben, nicht nur am Rauchverhalten. Wie läuft es in der Schule? Mit den Freunden? Was beschäftigt es gerade? Welche YouTuber schaut es, welche Musik hört es, wovon träumt es? Wenn dein Kind spürt, dass du es als ganze Person siehst und nicht nur als „das Problem, das raucht“, öffnet es sich.
Feiere Erfolge. Jeden rauchfreien Tag. Jede gemeisterte Versuchung. Nicht übertrieben, aber anerkennend. „Ich hab gesehen, dass du heute nicht geraucht hast, obwohl deine Freunde draußen waren. Respekt, das ist nicht leicht.“ Solche Bemerkungen zeigen: Ich sehe dich. Ich schätze deine Anstrengung. Du bist nicht allein.
Und ganz wichtig: Hab Geduld. Die Hirnreifung ist erst mit Mitte 20 abgeschlossen. Jugendliche treffen impulsivere Entscheidungen, haben weniger Kontrolle über ihr Verhalten, denken weniger in langfristigen Kategorien. Das heißt nicht, dass sie nicht aufhören können – aber sie brauchen mehr Anläufe und mehr Unterstützung.
Du kannst deinem Kind nicht das Rauchen verbieten. Aber du kannst ihm zeigen, dass du an seiner Seite bist. Dass Aufhören möglich ist, auch wenn